Haus und Grund zu Lebzeiten an Kinder?

Grundstücksübertragung

  • Lesedauer: 2 Min.

Viele Eltern fragen sich, ob sie Haus- und Grundeigentum schon zu Lebzeiten auf Nachkommen übertragen sollen.

Während die vorzeitige Immobilienübertragung bei »betuchteren« Familien ein beliebtes Mittel ist, den Nachkommen eine höhere Erbschaftsteuer zu ersparen, so der Nürnberger Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht Dr. Norbert Gieseler, sollten Bürger, bei denen das Einfamilienhaus den wesentlichen Vermögensgegenstand darstellt, eher vorsichtiger damit sein.

Bei jeder vorzeitigen Übertragung gelte es zu bedenken, dass der Übertragende danach nicht mehr »Herr im eigenen Haus« ist. Auch wenn die vorzeitige Übertragung des Haus- und Grundeigentums in der Regel durch die Einräumung eines lebenslangen Wohn- oder Nießbrauchsrechts und dessen Eintragung im Grundbuch für den Übertragenden abgesichert werde, könne man sich dessen bis zum Lebensende längst nicht sicher sein. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Kinder zum Beispiel zum Zwecke der Geschäftsgründung einen Kredit aufnehmen und zu dessen Sicherheit das übertragene Haus herangezogen wird.

Das im Grundbuch eingetragene Wohn- oder Nießbrauchsrecht stelle einen »kapitalisierten« Wert dar, der den Forderungen der finanzierenden Bank im Falle einer notwendig werdenden Zwangsversteigerung vorangehe. So müsse der Berechtigte des Wohn- und Nießbrauchsrechts hinter die einzutragende Grundschuld oder Hypothek zurücktreten und der Bank den Vorrang einräumen.

Kann der Sohn eines Tages den Kredit nicht mehr bedienen und es kommt zur Zwangsversteigerung, sind Haus und Hof verloren. Die Berechtigten können zumeist auch nicht mehr mit einer finanziellen Entschädigung in Geld für das verlorene Recht rechnen. Vorzeitige Hausübertragungen sollten nur bei vorhandenen anderen finanziellen Mitteln vorgenommen werden.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.