Der Glatte

Enrique Peña Nieto / Der 45-Jährige wird Mexikos neuer Präsident

  • Andreas Knobloch
  • Lesedauer: 2 Min.

Von Enrique Peña Nieto existieren zwei Bilder in der Öffentlichkeit. Das eine zeigt ihn als jungen, gut aussehenden, telegenen Politiker. Seine Vermählung mit der bekannten Seifenoper-Darstellerin Angélica Rivera wurde von Televisa als Märchenhochzeit inszeniert. Überhaupt: Televisa, der marktbeherrschende Fernsehkonzern Mexikos, unterstützt Peña Nietos Karriere seit Jahren - nicht immer mit erlaubten Mitteln.

Bereits mit 18 Jahren hatte der Spross einer wohlhabenden mexikanischen Familie beschlossen, Politiker zu werden. Er fand einflussreiche Förderer in seiner Partei, der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Die Grundvoraussetzung in dem von Klientelismus geprägten politischen System Mexikos. Als er 2005 im Alter von 38 Jahren in den Wahlkampf zog, um Gouverneur des Bundesstaates Mexiko zu werden, war klar, dass auf diesem Posten nicht Schluss sein sollte.

Die Partei, die fünf Jahre zuvor nach 71-jähriger Herrschaft aus dem Präsidentenpalast gewählt worden war, brauchte ein neues Image. Und Peña Nieto sollte das neue Gesicht einer »neuen« PRI werden, die nichts mehr gemein hat mit Wahlbetrug, Vetternwirtschaft und jenem autoritären Regierungsstil, der die PRI-Herrschaft prägte und die der peruanische Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa als »perfekte Diktatur« bezeichnet hatte.

Doch es gibt noch dieses andere Bild, das hinter dem jugendlichen Image auftaucht - das Bild eines Mannes ohne Eigenschaften. Bei öffentlichen Auftritten wirkt Peña Nieto oft hölzern, nicht festlegbar, vage. Auch hat er Probleme, spontan zu reagieren. Im Wahlkampf erlaubte er sich einige Patzer. In einem Interview wusste er weder die Höhe des Mindestlohns noch die Preise von Grundnahrungsmitteln, was eine Debatte um seine Eignung als Präsident entfachte.

Als Gouverneur ordnete er 2006 den Polizeiüberfall in Atenco an, bei dem zwei Menschen getötet, Dutzende Frauen gefoltert und missbraucht wurden. In vielen Ländern bliebe ein Mann wie dieser ohne Chancen, Präsident zu werden. Nicht so in Mexiko. Dort wurde er am Sonntag gewählt.

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