- Wirtschaft und Umwelt
- aufgefallen
Unabhängig kontrollieren
Spuren von Insektiziden auf Paprikaschoten oder Obst, Reste von Unkrautvernichtungsmitteln auf Tierfutter - darüber liest man immer mal wieder. Von Seiten der Agrochemieunternehmen und der konventionell wirtschaftenden Landwirte ist dann meist zu hören, das sei ganz harmlos. Schließlich liegen die Messwerte in der Regel unter den gesetzlichen Grenzwerten. Nun könnte man sagen, Obst und Gemüse wird ja sowieso vor dem Verzehr abgewaschen und das Futter müsse allenfalls die Landwirte kümmern, deren Tiere es fressen.
Doch was, wenn die Pestizide kurz vor der Ernte auf Feldfrüchten landen, die die Konsumenten erst in verarbeiteter Form erreichen. Auf ein solches Problem verwies am Freitag das Umweltinstitut München. Danach werde auf deutschen Äckern von vielen Landwirten wenige Tage vor der Ernte nochmal ein Totalherbizid wie das glyphosathaltige Roundup von Monsanto gespritzt, um den Acker unkrautfrei zu bekommen.
Und offenbar wird das Herbizid nicht so rasch abgebaut wie die Hersteller versichern. Anja Sobczak vom Umweltinstut verweist auf eine Untersuchung der Universität Leipzig, wonach bei Menschen aus Berlin, die keinen direkten Kontakt zur Landwirtschaft haben, Glyphosat im Urin nachgewiesen wurde. »Die mögliche Kontaminationsquelle können eigentlich nur Lebensmittel sein«, ist Sobczak überzeugt. Getreide werde praktisch nicht auf Rückstände untersucht.
»Oft wird die Ausrede bemüht, das Gift sei ja zugelassen und streng kontrolliert. Doch diese Logik ist fatal: Atrazin, DDT, Agent Orange und viele andere unstrittig gefährliche Gifte waren auch einst erlaubt«, kritisiert Harald Nestler, Vorstand im Umweltinstitut München. Seine Schlussfolgerung, man solle nur zuzulassen, was erwiesenermaßen ungefährlich ist, ist allerdings untauglich. Ein solcher Nachweis ist unmöglich. Möglich und dringend notwendig ist allerdings ein kontinuierliches Monitoring aller zugelassenen Mittel durch von der Industrie unabhängige Forscher, damit Agrochemikalien beim Auftauchen von Gefahren schnell aus dem Verkehr gezogen werden können.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.