Strom wird intelligent

In Nordamerika wird der Netzausbau intensiviert - Elektroautos erfordern Investitionen

  • John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Die nordamerikanischen Stromanbieter ertrinken in Daten. Die stammen aus »intelligenten« Stromnetzen, an die immer mehr Haushalte angeschlossen sind. Doch bei der Analyse und Verwendung der Daten gibt es noch großen Nachholbedarf.

»Intelligente« Stromnetze sind in Nordamerika auf dem Vormarsch. Die USA und Kanada intensivieren ihre Bemühungen um den Ausbau massiv. Von Vancouver bis Miami werden immer mehr Haushalte an Netze angeschlossen, die den Stromverbrauch effizienter als bisher regeln.

Laut einer Studie der britischen Firma Global Data und dem Softwarekonzern Oracle wird bis 2014 ein Großteil der US-amerikanischen Haushalte an das neue Netz angeschlossen sein. Kanada wird zwischen 2011 und 2020 zwanzigmal mehr Kabel verlegt haben als im Zeitraum bis 2011. Sowohl die US-Regierung als auch deren Kollegen in Ottawa fördern den Netzumbau. Vor drei Jahren stellte Washington 3,4 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) für den Ausbau zur Verfügung, Kanada immerhin 795 Millionen Dollar.

Megha Tayal Narang, Mitarbeiter von Global Data, erklärt die Unterschiede zwischen dem neuen Netz in Nordamerika und Europa. »In den USA liegt der Fokus auf der Unabhängigkeit von Ölimporten und dem Beleben der eigenen Wirtschaft. In Europa geht es hingegen um die Reduzierung von Emissionen, die von der EU mit 20-20-20 vorgegeben sind.« Damit ist das Ziel gemeint, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 20 Prozent zu senken, 20 Prozent des Stromverbrauches aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die Energieeffizienz um 20 Prozent zu steigern.

Das neue Netz stößt in den USA nicht überall auf Gegenliebe. Verbraucher sollen sich über ungenaue Berechnungen ebenso beschwert haben wie über Probleme mit dem Datenschutz und dem Kundendienst. Die Stromversorger sagen, dass sie mit der neuen Technologie in der Lage sind, Unterversorgungen zu vermeiden und unterschiedlichen Bedarf auszugleichen. Auch die Gründe für Stromausfälle könnten besser verstanden werden.

Gelegentliche Probleme könnten nicht darüber hinweg täuschen, dass das neue System effizienter sei, zitiert Global Data die Verantwortlichen. »Das intelligente Netz wird helfen, Probleme im Hinblick auf Stabilität und Zuverlässigkeit, die man mit erneuerbaren Energien verbindet, zu mindern. Das wird auch Menschen ermutigen, ihren aus Dach-Solaranlagen gewonnenen Strom in das Netz einzuspeisen«, schreibt Megha Tayal Narang.

Die zunehmende Verbreitung von Elektroautos ist die nächste Herausforderung, welche die neue Stromversorgung zu bewältigen hat. Die Verwendung wird laut Global Data zwischen 2011 und 2020 um 29 Prozent steigen. Mehr Autos bedeuten auch mehr Informationen für die Stromversorger. Vor allem aber wird das Netz durch die neuen Fahrzeuge zusätzlich belastet. Verbesserungen sind schon jetzt dringend notwendig. Nach einer Umfrage von Oracle unter 151 Entscheidern der Stromindustrie können die erhobenen Daten derzeit nur unzureichend ausgewertet werden. »Den meisten Anbietern fehlen schon jetzt das nötige Personal und die nötige Infrastruktur«, sagte Rodger Smith von Oracle. Er ergänzte, dass die Stromanbieter »dringend in Mitarbeiter und Systeme investieren müssen, um bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen zu treffen«.

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