Gabriel will kürzer treten

Verzicht auf Kanzlerkandidatur?

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin (nd-Kalbe). Die Bundestagswahl liegt noch in über einjähriger Ferne, und doch ist sie bereits regelmäßiges öffentliches Thema. So hat die neue Führung der Linkspartei ein Diskussionspapier zur Wahlkampfplanung an die Mitglieder des Parteivorstands gerichtet. Die Grünen bereiten ihren Länderrat vor, auf dem sie am Wochenende die Entscheidung über eine Urwahl ihres Wahlkampf-Spitzenpersonals fällen wollen. Und in der SPD sorgt der Parteivorsitzende, Sigmar Gabriel, regelmäßig für Nachschub in der Debatte darüber, mit welchem Kanzlerkandidaten die Partei in den Kampf ziehen will.

Die jüngste Meldung ist allerdings eine angedeutete Rückzugserklärung. »Ich werde nicht mehr zwölf bis 16 Stunden am Tag verfügbar und unterwegs sein. Das wird nicht mehr gehen«, kündigte Gabriel im Hamburger Magazin »Stern« für die Zeit nach der Sommerpause an. Gabriel, der am 11. August geheiratet, die letzten Wochen einer öffentlich selbstverordneten Babypause für seine im April geborene Tochter allerdings durch regelmäßige politische Vorstöße unterbrochen hatte, erklärte nun, als Vater könne er »nicht mehr jede Veranstaltung mitmachen«. Kritik an seiner Omnipräsenz der letzten Wochen wies Gabriel zurück. Man könne ja »Interviews auch am Telefon führen und Papiere am Computer schreiben, wenn das Kind schläft«. Doch selbst dies eingerechnet, wird Gabriels Ankündigung, kürzer zu treten, als eine indirekte Ankündigung verstanden, persönlich auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten. In Umfragen liegt Gabriel regelmäßig abgeschlagen hinter seinen potenziellen innerparteilichen Konkurrenten, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, zurück.

Der SPD-Chef bezeichnete es gegenüber dem »Stern« als »eine der ganz großen Aufgaben dieses Jahrzehnts, Arbeit und Leben wieder mehr zu verschränken«. Neue Lebensarbeitszeitmodelle müssten es Arbeitnehmern ermöglichen, ohne Einkommensverluste in bestimmten Lebensabschnitten weniger zu arbeiten. »Zeit ist für viele Menschen eine neue Währung.«

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