Arbeitslos trotz »Task Force«
In Rheinland-Pfalz sind die meisten früheren Schlecker-Frauen weiterhin ohne Job
Mainz. Vor knapp drei Monaten war Schluss. Dann machten alle Schlecker-Filialen dicht, auch in Rheinland-Pfalz. Trotz eines Hilfsprogramms vom Land, den Arbeitsagenturen und den Gewerkschaften sind noch immer die meisten der früheren Mitarbeiter der Drogeriekette arbeitslos - zwei Drittel. Die Bemühungen um neue Jobs laufen aber weiter.
Von den 1370 früheren Schlecker-Beschäftigten im Land waren Mitte September noch 910 arbeitslos gemeldet, erklärt eine Sprecherin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken. Die meisten früheren Mitarbeiter sind Frauen, viele sind schon in einem Alter, in dem es schwierig ist, eine neue Arbeit zu finden. 430 frühere Beschäftigte konnten laut rheinland-pfälzischem Arbeitsministerium inzwischen wieder einen Job bekommen oder werden weitergebildet.
Die Gewerkschaft ver.di zog eine gemischte Zwischenbilanz: »Die Vermittlungszahlen sind erwarteterweise schlecht«, sagte der Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Rheinland-Pfalz, Jürgen Dehnert, der dpa. »Das ist ärgerlich.« Er betonte aber auch: »In Rheinland-Pfalz halten wir die Bemühungen der Arbeitsverwaltung und der Landesregierung zum größten Teil für effektiv.« Die Sprecherin des Arbeitsministeriums, Beate Fasbender-Döring, beurteilt die Hilfsaktion positiv: Die Erfahrungen zeigten, dass sie »ziemlich gut und reibungslos funktioniert«.
Seit Juli gibt es das Hilfsprogramm in Rheinland-Pfalz, damit die Schlecker-Frauen besser vermittelt werden können. Neben einem Runden Tisch haben die Beteiligten »Kümmerer« eingesetzt. Sie helfen bei speziellen Probleme, auch psychischer Art. Mit schwierigen Fällen beschäftigt sich eine »Task Force«. Die Schlecker-Pleite hatte bundesweit knapp 25 000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet. Ver.di dringt darauf, dass es für sie neue Stellen gibt. Sonst wäre das ein Verdrängungswettbewerb, sagt Sprecher Dehnert.
Arbeitsministerin Malu Dreyer (SPD) meinte schon im Juni im Landtag, dass es schwierig werden würde: »Die Gefahr ist wirklich sehr hoch, dass wir es nicht schaffen, dass alle Frauen vermittelt werden.« Denn die Frauen sind oftmals alleinerziehend oder über 50 Jahre alt. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im Juni vorgeschlagen, dass Schlecker-Frauen auch Lücken in der Altenpflege oder in Kitas füllen können, wenn es im Handel keine Stellen gibt.
Einzelne Beispiele zeigen, dass Erfolge möglich sind: Eine 57-Jährige, die rund 20 Jahre lang bei Schlecker beschäftigt war, arbeitet nun bei einem Discounter, berichtet Fasbender-Döring. Und eine 41 Jahre alte Frau fängt ab Oktober in einem Pflegeheim an. Sie will dort Pflegehelferin in der Altenpflege werden.
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