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  • Wirtschaft und Umwelt
  • Ost-Firmen auf Leipziger Messe: Die Optimisten stellen aus, die anderen findet man nur im Treuhand-Computer

Es gibt sogar Unternehmen, die schwarze Zahlen schreiben

  • Lesedauer: 4 Min.

Eckhard Hoch will mit 51 Jahren noch mal richtig loslegen. Im Gegensatz zu vielen in seiner Generation hat er die Chance. Seit 1964 arbeitet er bei ILKA in Dresden, hat Kühlanlagen entwickelt, das damalige Kombinat im Ausland vertreten, war zehn Jahre lang Exportleiter. Als Handlungsbevollmächtigter für Marketing beim Vorstand der Dresdner ILKA AG will er nun das Unternehmen unter den Konkurrenten neu plazieren.

Das Jahr 1990 wurde konsequent genutzt, um Produkte und Unternehmensstruktur „auf Vordermann zu bringen“, sagte Hoch. Im wesentlichen sei dem Unternehmen, das schon zu DDR-Zeiten Renommee hatte, der Anschluß gelungen. Auch im Preis, ohne als Billiganbieter zu firmieren. ILKA habe 1990 mit einem einstelligen Millionengewinn abgeschlossen und ist nach wie vor liquid.

Dazu trennte sich die ILKA von allem, was nicht Kältetechnik war im alten Kombinat. Ganze Betriebe

wurden in die Selbständigkeit entlassen, aus den verbliebenen Firmen Bereiche wie Bau und Transport ausgegliedert. Auch vom Forschungszentrum verabschiedete man sich, es hat sich inzwischen in einige Ingenieurbüros aufgelöst. Ende 1991 will ILKA nur noch mit weniger als 3 000 Beschäftigten arbeiten.

Die Perspektive des Unternehmens hängt von der Auftragslage ab. Für 1991 sind jetzt 30 Prozent des geplanten Umsatzes unter Vertrag. „Das stimmt optimistisch“, sagte Hoch. Auch Sowjetunion-Verträge stehen in ,Aussicht – „spätestens in vier Wochen“ Das Volumen sei durch die Kreditvereinbarung mit der UdSSR gesichert, die Bürgschaft der Moskauer Staatsbank sei versprochen. ILKA will Kühlhäuser verkaufen. Die werden für die Lebensmittel-Lagerung dringend benötigt und wurden schon in den vergangenen Jahren von dem ostdeutschen Unternehmen geliefert.

Das Dresdner Unternehmen will im Geschäft bleiben. Deshalb wurde Ende 1990 in Moskau ein eigenes Büro eingerichtet. Auch in den Altbundesländern und in Westeuropa will Koch sein Unternehmen stärker präsentieren. In Köln gibt es bereits ein Büro, andere Städte sollen folgen.

ILKA geht in Kürze auch nach Paris. In Südfrankreich hatte die AG jüngst auf einer Messe zur industriellen Entwicklung des Mittelmeerraumes als einzige „Ossi“-Firma für Aufsehen gesorgt. Und für neue Geschäftskontakte. Rückenwind bekommt ILKA hier von Dr. Gerd-Ulrich Walter. Der Schweizer Unternehmensberater, persönlicher Bekannter von Treuhand-Chef Rohwedder, ist Vorstand der deutsch-französischen Handelskammer.

Das Dresdner Unternehmen präsentiert sich auf der Messe selbstbewußt. Mit ihrem Optimismus hat die ILKA AG offensichtlich auch Kapitalgeber überzeugt. Möglicherweise zum 1. Juli übernimmt

ein Bankenkpnsortium von der Treuhand die AG und bereitet sie auf eine Börseneinführung vor.

Selbstbewußtsein drückt auch der Stand der 100-Mann-Firma Carl Enke GmbH aus Schkeuditz bei Leipzig aus – direkt an der Hauptstraße des Messegeländes. Wenn auch Besucher nur in einem engen Container empfangen werden können, der Ur-Sachse Günter Barthold, Enke-Geschäftsführer, würde den günstigen Platz – früher ein Bockwurst-Stand – nicht hergeben.

Die Carl Enke Gmbh ist ein 1972 zwangsverstaatlichtes, 1990 reprivatisiertes Unternehmen. Eigner sind nun die Schwester des früheren Firmeninhabers und dessen Sohn.

Günter Barthold, seit acht Jahren in der Firma, lange Zeit Absatz-Chef, schließlich seit Anfang 90 Betriebsleiter, glaubt an die Zukunft der Firma. Sie hat schon 100 Jahre Tradition im Maschinenbau. Gebläse des Systems Enke wurden

hier entwickelt und werden bis heute gefertigt.

Das Problem allerdings: in den vergangenen zwei Jahrzehnten mußte sich der Betrieb als Teil eines bezirksgeleiteten Kombinats mit Ausrüstungen aus dritter Hand über Wasser halten. Obwohl “er sogar Gebläse exportierte. Jetzt fehlt Geld, um die Firma zu modernisieren. Und es fehlen Aufträge. Barthold mußte zur Kurzarbeit blasen. Außer Ersatzteilen wird kaum etwas verkauft, die Kunden im Ausland – vor allem CSFR – wie im Inland – Kraftwerke, Kohle und Chemie – haben kein Geld.

Die Messe brachte allerdings auch neue Kontakte. Und Enke jr., der in Namibia wohnt, sondiert dort den afrikanischen Markt.

Wenige ostdeutsche Firmen stellen sich guten Mutes auf der Leipziger Messe vor. Die meisten Unternehmen sind in Leipzig nur im Computer der Treuhandanstalt präsent. Als Kauf-Angebot.

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