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Umweltschutz konkret in den Betrieben

  • Lesedauer: 3 Min.

Seit 1992 gibt es ein Umweltberatungsprogramm der Gewerkschaften für die neuen Länder, an dem sich fünf Einzelgewerkschaften beteiligen und das von der Bundesstiftung Umwelt gefördert wird. ND sprach mit der Koordinatorin des Programms beim DGB in Düsseldorf, BARBARA HEMKES.

Sie stellten das Umweltberatungsprogramm gestern in Bonn vor - zum ersten Mal im Westen?

Es ist das dritte Mal, daß wir das Programm bundesweit vorstellen, diesmal als eine Art Zwischenbilanz. Mit der Resonanz auf das Programm sind wir ausgesprochen zufrieden. Die 18 Umweltberater vor Ort in den neuen Ländern sind sehr bekannt und sehr rege. In Bonn wollten wir in politisch interessierten Kreisen für eine Unterstützung des Programms werben. Geht das Programm weiter?

Wir sind dabei, das Programm auf die alten Länder auszudehnen, zum Teil nicht direkt im Rahmen des Umweltberatungsprogramms. In den alten Ländern nutzen wir dazu zum Beispiel unsere Technologie-Beratungsstellen, die ihre Arbeit auf den betrieblichen Umweltschutz ausdehnen. Wir streben an, bald in Ost- und Westdeutschland flächendeckend Umweltberatung anzubieten.

Flächendeckend bedeutet, daß Sie die Zahl der Berater verdreifachen müssen - statt 18 rund 50.

Möglicherweise endet es sogar in diesen Größenordnungen. Die Frage ist nur, wie man die gewerkschaftliche Umweltberatung organisiert. Die Formen können doch vielfältig sind. Wir wollen dahin kommen, daß die Beratungsangebote im Westen um den Umweltschutz erweitert oder, wo das nicht möglich ist, dieser Bereich neu aufgebaut wird. Wie das im einzelnen vonstatten gehen kann, ist bundesweit kaum zu managen. Umweltberatung klingt immer ein wenig nach Tips, Lampen auszuschalten.

Bei meiner Tätigkeit in der Koordinierungsstelle habe ich gelernt, daß man die kleinen Schritte im Umweltschutz nicht unterschätzen sollte. So manche ökologische Umstrukturierung ist damit eingeleitet worden, daß in den Kantinen Mehrweggeschirr eingeführt wurde. Häufig ist das einfach ein Einstieg, mit dem die Personen zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert werden und anfangen nach-

zudenken. Wir bieten natürlich eine viel größere Themenpalette an - nicht nur Informationsmaterialien, sondern auch Bildungseinheiten und Seminare. Und wir betreuen ganz konkrete betriebliche Projekte Sind die Gewerkschaften beim Umweltschutz nicht auch noch Lernende?

Beim Umweltschutz gibt es noch keine Königswege oder Patentrezepte, nach denen man in den Betrieben vorgehen könnte. In dem Sinne ist auch der DGB ein Lernender. Neben der fachlichen Kompetenz, die die DGB-Umweltberater einbringen, liegt unsere Stärke aber darin, daß wir mit den Beschäftigten zusammenarbeiten. Umweltschutz in den Betrieben läßt sich zum einen nur gemeinsam mit den Beschäftigten realisieren, ihre Interessen sind zu berücksichtigen. Zum anderen wissen gerade die Beschäftigten in ihrem Arbeitsbereich genau, wo die Umweltsünden liegen, und sie kennen auch Möglichkeiten zur Abhilfe. Dieses Potential wollen wir mobilisieren.

Nach dem Urteil von Umweltverbänden schneidet die Basisarbeit der DGB-Umweltberater gut ab, weniger angetan ist man dagegen vom Engagement an der Spitze.

Dieses Urteil kenne ich so nicht, ich teile es auch nicht. Gerade in den letzten Jahren sind Umweltverbände und Gewerkschaften deutlich aufeinander zugegangen, das Verhältnis verbesserte sich wesentlich. Das heißt nicht, daß wir da immer einer Meinung sind. Es gibt einfach Interessenunterschiede. Spannend an diesem Umweltprogramm ist die Möglichkeit, das, was programmatisch innerhalb des DGB in Sachen Umweltschutz schon sehr weit vorangeschritten ist, auch ein Stück in die Praxis umzusetzen. Das Problem des DGB bei der Umwelt ist nicht die Programmatik, sind nicht die politischen-Forderungen. In dem Leitantrag auf dem letzten DGB-Bundeskongreß haben wir deutlich gesagt, daß wir so etwas wie eine nachhaltige Entwicklung anstreben - auch wenn wir es nicht immer so nennen.

Fragen: JÖRG STAUDE

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