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Mal drei Handkoffer, dann nur 80 Blatt Papier

  • Lesedauer: 2 Min.

Kochs Chef, Artur Wenzel, sei nach der Wende umgekommen, erzählt Volker Neumann (SPD). Neumann ist Vorsitzender des Untersuchungsausschusses »DDR-Vermögen« im Bundestag. Die Op-

positionsseite im Ausschuß wollte erkunden, wo die Informationen blieben, die Koch an die Partner vom BND übergab. Koch habe vor dem Ausschuß von drei Handkoffern gesprochen, sagt Neumann. Der Zeuge vom BND mit dem Namen Simhart weiß nur von 22 Dossiers zu etwa je drei Seiten (insgesamt 80) und von 92 Disketten mit dem Inhalt der Dossiers. Die hätte Koch mitgebracht. In zwei Plastiktüten, was für einen gelernten DDR- Bürger sprechen würde, wenn es stimmte.

Simhart sagte weiter aus, daß er sich von den Disketten allein die Stichworte zum Thema Embargo ausdrucken ließ. Das habe Monate gedauert. Die technische Abteilung des BND fand lange kein Mittel, die Disketten lesbar zu machen. Dann sei auch eine Liste mit 1300 Namen inoffizieller Mitarbeiter sowie mit westdeutschen Firmen aufgetaucht. 192 Fälle von Verstößen gegen das Embargo habe der BND daraufhin verfolgt.

Das widerspricht allerdings der Aussage, daß der Geheimdienst nach den Volkskammerwahlen im März 1990 Aktivitäten zum Thema Embargoverstöße der DDR einstellte. Der Export von Hochtechnologie in RGW-Staaten war im Westen verboten. Solche Verbote unterlief mit Hilfe von Westfirmen in der DDR der Bereich Kommerzielle Koordinierung.

Beim BND sei das von Koch übergebene Material nicht mehr. Das besitze jetzt der Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck. Der Ausschuß des Bundestages forderte deshalb von Gauck die Papiere. Der teilte mit, ein Ausdruck der 92 Disketten würde mindestens neuneinhalb Wochen dauern und etwa 40 000 Blatt Papier umfassen. Woher dieser Unterschied zu den von ihm behaupteten 80 Seiten Stasi-Material stamme, wollte BND-Mann Simhart nicht erklären.

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