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Auf dem Weg zum Krieg
Martin Ling zum geplanten Militäreinsatz in Mali
Das war's dann wohl mit den »glaubwürdigen Verhandlungen«. Dazu hatte der UNO-Weltsicherheitsrat in Sachen Mali neben der grundsätzlichen Billigung eines Militäreinsatzes unter afrikanischer Führung am Freitag noch aufgerufen. Doch mit der Entscheidung der EU, eine Ausbildungsmission für das malische Militär zu unterstützen, ist die Verhandlungsoption bereits hinfällig geworden, bevor sie überhaupt auf den Tisch kam.
Mit dem Vorstoß der EU rückt die Militärintervention in Mali unweigerlich näher. Die Vorbereitungen der westafrikanischen Bündnisses ECOWAS und beim malischen Militär sind bereits angelaufen. Unterstützung und Ausbildung kann Malis Militär allemal brauchen, war die logistische Unterlegenheit der Armee gegen die Rebellen im Norden doch im März Anlass für einen Militärputsch im Süden. Seitdem wirken die Fliehkräfte in dem riesigen Land ungebremst: Die territoriale Einheit steht nur noch auf dem Papier. Im Norden hat sich ein »Gottesstaat« breit gemacht, der schon fast eine halbe Million Menschen in die Flucht vor der barbarischen Scharia getrieben hat: Von Händeabhacken bis Steinigen - in Nordmali ist das alltäglich geworden.
Ob es einen Verhandlungsweg für den Norden über eine föderale Lösung mit weitgehenden Autonomierechten bis hin zur »milden« Scharia gegeben hätte, lässt sich nicht freiweg behaupten. Sicher ist: Diese Option wurde nicht erwogen, und der Krieg birgt für Mali unkalkulierbare Risiken.
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