Meisten Muslime würden schwimmen
Das Kölner Verwaltungsgericht entschied am Dienstag, dass ein 12-jähriger Muslim am Schwimmunterricht seiner Schule teilnehmen müsse. Seine Eltern hatten zuvor einen Eilantrag gestellt und diesen mit »religiösen Vorschriften« begründet.
Kein Einzelfall, sind sich viele Medien sicher: Immer wieder kommt es beim Thema Schwimmunterricht zu ähnlichen Auseinandersetzungen vor Gericht«,schreibt Spiegel Online. »Nicht neu« seien »Auseinandersetzungen wegen des Schwimmunterrichtes«, schreibt die TAZ zu einem ähnlichen Fall. Und auch»neues deutschland« findet, dass es u.a. beim Schwimmunterricht »mit Blick auf muslimische Mädchen noch einiges zu tun« gebe. Hatte Thilo Sarrazin also doch Recht mit seiner These, dass der Schwimmunterricht Symbol eines »kulturellen Problems« der Muslime sei, das »gegen deren Willen kaum verändert werden« kann?
Dass Integration mittels Schwimmunterricht nur in den seltensten Fällen an religiösen Befindlichkeiten scheitert, belegt hingegen eine Studie des »Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge«. Dieses stellte schon im Jahr 2009 fest, dass zwar fast jedes zweite muslimische Kind nicht am Schwimmunterricht teilnehme, dies aber nur in 1% der Fälle »religiösen Gründe« habe. Auch dem Sexualkundeunterricht bleiben nur 0,7% der befragten muslimischen Schüler aus »religiösen Gründen« fern – und damit ca. ein Drittel weniger als bei nicht-muslimischen Schülern. Der Hauptgrund, warum über 40% der muslimischen wie nicht-muslimischen Schüler weder Sexual- noch Schwimmunterricht wahrnehmen, ist hingegen ein gänzlich unreligiöser: Das Angebot fehlt.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.