Vor allem die Industrie bekommt die Krise zu spüren
Miniwachstum im dritten Quartal wurde vor allem im Exportsektor erwirtschaftet
Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag bestätigte, wuchs die deutsche Wirtschaft preis-, saison- und kalenderbereinigt von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal nur noch um 0,2 Prozent. Auch im Jahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum weiter abgeschwächt - auf 0,4 Prozent. Positive Wachstumsimpulse kamen im dritten Quartal überwiegend vom Außenhandel. So stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 4,2 Prozent, während die Einfuhren um 1,6 Prozent zulegten. Der Exportüberschuss war mit 1,4 Prozentpunkten der treibende Faktor, dass das Bruttoinlandsprodukt überhaupt noch angestiegen ist.
Die inländische Nachfrage von Staat, Privathaushalten und Unternehmen ging nämlich im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 1,0 Prozent zurück. Zwar stiegen die staatlichen Konsumausgaben um real 1,0 Prozent. Negative Wachstumsimpulse kamen dagegen vom privaten Verbrauch. Trotz eines spürbaren Anstiegs der Bruttolöhne sanken die privaten Konsumausgaben preisbereinigt erstmals seit 2009 (um 0,2 Prozent). Dies lag maßgeblich daran, dass der Anstieg der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mit 1,3 Prozent unter der Inflationsrate von 1,9 Prozent lag. Ein starker Einbruch war erneut bei den Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen zu verzeichnen (8,0 Prozent unter dem Stand des Vorjahres). Lediglich die Bauinvestitionen verzeichneten ein minimales Plus von 0,1 Prozent.
Zwischen den einzelnen Wirtschaftssektoren gab es große Unterschiede. Während die Dienstleistungsbereiche ihre Leistung im Vergleich zum Vorjahr steigerten und insgesamt um 2,3 Prozent zulegten, ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe deutlich (um 2,6 Prozent) und auch im Baugewerbe (um 0,5 Prozent) zurück.
Auf Grund des schwachen Wirtschaftswachstums ist die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem um 0,5 Prozent gesunken und das Volkseinkommen nahm nur um 1,0 Prozent zu. Bemerkenswert dabei ist, dass das Arbeitnehmerentgelt um 3,5 Prozent zu-, das Unternehmens- und Vermögenseinkommen dagegen um 3,5 Prozent abnahm.
Durch die anhaltende Krisensituation gerät nun auch der deutsche Arbeitsmarkt immer stärker unter Druck. So war im Monat Oktober seit zwei Jahren die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um 0,6 Prozent bzw. 16 000 Personen erstmals wieder gestiegen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.