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Patriot-Gegner befürchten »See aus Blut«
Proteste in der Türkei gegen die Stationierung der NATO-Raketensysteme an der Grenze zu Syrien
Istanbul (AFP/nd). Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten bei Protestkundgebungen gegen die Stationierung von Patriot-Raketen der NATO hat die türkische Polizei mehrere Dutzend Menschen festgenommen.
Die Sicherheitskräfte seien mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Demonstranten in der Hafenstadt Iskenderun sowie an der Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes vorgegangen, berichtete die Zeitung »Birgün« am Dienstag. Laut Medienberichten wurden zwischen 23 und 40 Menschen festgenommen. Darunter sei auch eine Reporterin von »Birgün«, meldete das regierungskritische Blatt.
In Iskenderun waren am Montag Schiffe mit den Patriot-Raketen der Bundeswehr und der niederländischen Armee angekommen. Auf dem südtürkischen Stützpunkt Incirlik bei Adana lagern nach US-amerikanischen Angaben die für den NATO-Einsatz vorgesehenen Patriot-Raketensysteme der US-Streitkräfte.
Die Allianz hatte die Stationierung der Luftabwehrraketen auf Antrag der türkischen Regierung mit der Begründung beschlossen, die Türkei so vor möglichen Raketenangriffen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien schützen zu können.
Linke und islamische Gruppen in der Türkei sehen in der Patriot-Stationierung dagegen einen Versuch insbesondere der USA, ihre Macht im Nahen Osten auszudehnen. In Iskenderun sagte einer der Redner der Demonstranten nach einer Meldung der linken Tageszeitung »Evrensel«, die Patriot-Mission sei Teil eines Plans, »den Nahen Osten in einen See aus Blut zu verwandeln«.
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