Jubel in Kriegszeiten
Erfolge der Fußballer beim Afrika-Cup sorgen in Mali für kurzzeitige Ablenkung
Berlin (nd). 2006 war es Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste), heute ist es Mali. Während zu Hause ein Bürgerkrieg oder eine Militärintervention das Land spaltet, müssen die Fußballer des Landes beim Afrika-Cup ran. Die Côte d'Ivoire um Superstar Didier Drogba schaffte es damals bis ins Finale - mit einer harmonischen Multikultitruppe aus Nord und Süd, von Christen und Muslimen.
2013 befindet sich die Mannschaft aus Mali in einer ähnlichen Lage: Die Gedanken sind jenseits der Spiele bei den Angehörigen im Heimatland. »Unser Land geht durch eine der schwierigsten Zeiten seiner Geschichte. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich über Mali spreche«, sagte ein sichtlich bewegter Kapitän Seydou Keita nach dem etwas glücklichen 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo. Schon vor dem Turnier hatte Keita versprochen: »Wir werden da rausgehen und spielen und gewinnen.« Das klappte bisher zwar nur einmal, doch fürs Viertelfinale hat es gereicht: Am Samstag geht die Mission »Krieg vergessen« gegen Gastgeber Südafrika weiter. Dann sollen dem Vernehmen nach selbst Tuareg im Norden wieder vor dem Fernseher sitzen.
In Timbuktu kam es derweil nach der Eroberung zu Übergriffen. Hunderte Einwohner plünderten Geschäfte und Unterkünfte, die »Arabern« oder »Algeriern« gehört haben sollen - angeblichen Unterstützern jener Islamisten, die geflohen sind. An der Straße nach Timbuktu ist indes über hunderte Kilometer kein einziger Soldat zu sehen. Deswegen geht auf dem Land die Angst vor einer Rückkehr der Islamisten um. Diese haben die Städte Gao und Timbuktu verlassen - in Luft aufgelöst haben sie sich nicht.
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