Steinbrück-Wahl? Gysi »ganz pragmatisch«
Linksfraktionschef hält Kompromiss mit der SPD für möglich / Gesellschaftliche Akzeptanz fehle 2013 aber noch
Berlin (nd). Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, sieht eine mögliche Wahl von Peer Steinbrück zum Bundeskanzler durch die Linke „ganz pragmatisch“. Der „Rheinischen Post“ sagte der Politiker, „wenn wir einen Kompromiss mit der SPD in zentralen Fragen wie Sozial-, Finanz- und Außenpolitik hinbekommen würden, scheitert die Wahl eines SPD-Kanzlers nicht an uns“. Eine rot-rot-grüne Koalition sei durchaus möglich, dazu müssten SPD und Grüne der Linkspartei jedoch in der Renten-, Sozial- und Finanzpolitik sehr deutlich entgegenkommen.
„Wir müssten harte Verhandlungen führen, aber Kompromisse gehören in der Politik dazu“, zitiert die Zeitung Gysi. Der Fraktionschef machte zugleich deutlich, dass mehr als Arithmetik in der Politik wichtig sei. Für ein Mitte-Links-Bündnis müsse es auch eine breite gesellschaftliche Bereitschaft geben. „Auch ein konservativer Bayer muss am Ende mit einem solchen Bündnis zumindest leben können“, sagte Gysi. „Da bin ich für 2013 nicht sicher. 2017 kann das schon anders sein.“
Im sozialen Netzwerk Facebook ergänzte Gysi am Mittwochmorgen, er sehe derzeit »nur, dass Peer Steinbrück ein neoliberaler Politiker ist, der die SPD in Wirklichkeit bei Schröders Agenda-Zeiten halten will«. Nur mit der Linkspartei habe »die SPD wieder die Chance, sozialdemokratisch zu werden«.
Die Diskussion über das Verhältnis der Linkspartei zu SPD und Grünen reißt nicht ab. Immer wieder hatten in der Vergangenheit Linkenpolitiker erklärt, unter bestimmten Bedingungen eine rot-grüne Bundesregierung zumindest tolerieren zu können und Steinbrück zum Kanzler mitzuwählen, wenn die Voraussetzungen stimmen. Die SPD-Spitze hat eine Kooperation mit der Linkspartei auf Bundesebene aber kategorisch ausgeschlossen. Auch in der Linken selbst gibt es erhebliche Zweifel, ob mit solchen Offerten in Richtung Rot-Grün ein eigenständiger Wahlkampf befördert wird.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.