Renten im Osten könnten spürbar steigen
Bis zu drei Prozent mehr möglich
Berlin (dpa/nd). Für die mehr als 20 Millionen Rentner in Deutschland ist der 1. Juli ein besonders wichtiger Termin. Dann gibt's mehr Geld. Um wie viel die Rente genau steigt, ist noch offen. Erst müssen alle Zahlen zu Beschäftigung und Lohnentwicklung auf dem Tisch liegen. Dies könnte nach Einschätzung von Insidern um den 20. März herum der Fall sein. Erst dann wird das Geheimnis gelüftet. Gut möglich, dass die Erhöhung im Osten dreimal so hoch wie die im Westen ausfällt.
Drei Prozent mehr zwischen Rügen und Erzgebirge, ein Prozent Plus im Westen prognostizierte vor knapp vier Monaten die Spitze der Rentenversicherung. Kommt es so, können sich die rund vier Millionen Rentner im Osten im Wahljahr auf die höchste Rentenerhöhung seit 1997 freuen. Bei einer Rente von 1200 Euro liefe dies im Westen auf eine Erhöhung um etwa 12 Euro im Monat hinaus. Im Osten wären es 36 Euro. Schon 2009 - vor der vergangenen Bundestagswahl - schnitten die Ostrentner mit plus 3,4 Prozent besser ab als die Westrentner mit 2,4 Prozent.
Noch steht aber nichts fest. Und im Oktober 2011 hatten sich die Experten mit ihrer Schätzung schon einmal vergaloppiert: Damals sagten sie ein Plus von mehr als drei Prozent für den Osten voraus. Am Ende waren es nur 2,26 Prozent, im Westen 2,18 Prozent.
Dabei deutet diesmal eigentlich alles auf eine spürbare Erhöhung hin, zumindest vordergründig. Die Entwicklung bei Löhnen und Beschäftigung war positiv. Bruttolöhne und -gehälter legten 2012 laut Statistischem Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen um 3,7 Prozent zu. Da aber noch Korrekturen - vermutlich nach unten - ausstehen, warnen Fachleute davor, diesen Wert als Orientierungsmarke für die Rente zu nehmen. Zudem werden die gestiegenen Einkommen der Beamten in jedem Fall noch herausgerechnet - und dann alles auch noch nach Ost und West differenziert.
Das Ost-Rentenniveau nähert sich mit der zu erwartenden Erhöhung zwar weiter dem West-Niveau an, hinkt aber immer noch hinterher. Bei einem Rentenwert West von dann 28,35 Euro und 25,97 Euro im Osten schrumpft der Abstand auf etwa neun Prozent, sagt der jüngste Rentenversicherungsbericht der Regierung voraus.
Sollte die Voraussage stimmen, brechen im Osten dennoch keine »goldenen Zeiten« an. Seit Anfang 2000 verloren die Renten laut Bundesregierung etwa ein Fünftel ihrer Kaufkraft: 17 Prozent im Westen und knapp 22 Prozent im Osten. Die anstehende Erhöhung ist also nicht mehr als ein Trostpflaster.
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