Siegenburger Luftkrieg beendet
Bombodrom in Bayern wird endlich geschlossen
Ganze Generationen sind in der Gegend mit dem ohrenbetäubenden Lärm tieffliegender Düsenbomber aufgewachsen. Und plötzlich kam die gute Nachricht - per Flugplatt: »Keine Tiefflieger mehr«, »Bombenabwurfplatz Siegenburg wird geschlossen«, teilte die CSU-Führung des Kreises Ende Ende vergangener Woche mit. Die Information stamme von ganz oben. Parteifreund Christian Schmidt - er ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium - gibt dem Bombodrom keine Zukunft mehr.
Zeit wird es, denn die Bürger kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Nutzung des Areals als Luft-Boden-Schießplatz. Angelegt hatte den noch Hitlers Wehrmacht, später überließ der Bund das Gelände unbefristet den US-Streitkräften. Die haben nun kaum noch Interesse an dem Übungsfeld. Ausschlaggebend für die baldige Schließung ist allerdings die Auflösung des in Lagerlechfeld stationierten deutschen Jagdbombergeschwaders 32. Der Standort bleibt nur als Ausweichflugplatz bestehen. Bis zum 31. März ziehen Besatzungen und Gerät unter anderem ins norddeutsche Jagel um.
»Die Bundesregierung sieht nach der Auflösung des Tornadogeschwaders keinen Bedarf und plant, den Übungsplatz mangels Auslastung in absehbarer Zeit zu schließen«, erklärte Staatssekretär Schmidt. Angeblich sagte er auch, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bereits Ende vergangener Woche eine entsprechende Schließungsanordnung unterzeichnet hat. Doch noch stünden Abstimmungen mit der US Air Force an.
Die Beharrlichkeit habe sich gelohnt, so der CSU-Bezirksvorsitzende Manfred Webersetzen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Thomas Gambke weist das als Anmaßung zurück: Natürlich freue auch er sich »mit den Menschen in der Region, dass die Lärmbelästigung und die vom Flugbetrieb ausgehende Gefahr jetzt endlich beendet ist«. Doch das sei keineswegs nur einer Partei zu danken. »Die Schließung ist ein Sieg der Bürger und nicht der CSU«, betont Gambke. Im September steht die nächste Landtagswahl in Bayern an.
Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger forderte einen Zeitplan von der Bundesregierung: »Ein schönes Flugblatt zu Beginn des Wahlkampfes zu verteilen ist das eine. Es geht aber um einen konkreten Zeitplan, wann mit der Schließung definitiv zu rechnen ist. Und der fehlt bisher.«
Offensichtlich gibt es noch keine zündende Idee, wie mit dem demilitarisierten Areal zu verfahren ist. Wolfdietrich M. Rading, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Fluglärm, schlägt einen Naturlehrpfad und ein Schullandheim vor. Siegenburgs Bürgermeister Franz Kiermaier meint, da die Flächen im Dürnbucher Forst ein wichtiger Grundwasserspeicher sind, käme nur eine naturnahe Nutzung infrage. Ob das der Fall sein wird, dürfte sich erst in Wochen oder Monaten klären. Denn zuvor werden Munitionsräumer ihre Arbeit verrichten müssen. Fragt sich, wer sie bezahlt.
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