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Maya-Killer
José Efraín Ríos Montt steht wegen Völkermords vor Gericht
In Guatemala-Stadt begann am Dienstag ein Gerichtsprozess gegen José Efraín Ríos Montt, der von März 1982 bis August 1983 in dem zentralamerikanischen Staat als Diktator geherrscht hatte. Ihm werden Mord, Folter und die Zwangsumsiedlung Tausender Maya vorgeworfen. Rund 1800 Indigene sollen Massakern zum Opfer gefallen sein, für die Montt zumindest eine Mitverantwortung trägt. Der General war als Präsident der Republik auch oberster Armeechef und soll als solcher an der Ausarbeitung der sogenannten Aufstandsbekämpfungspolitik beteiligt gewesen sein.
Die Anklage bezieht sich auf Angriffe auf drei konkrete Dörfer der Ethnie Ixil. Dabei sollen rund 1200 Menschen ermordet und knapp 1500 Frauen vergewaltigt worden sein. Doch Ríos Montt steht darüber hinaus stellvertretend für die Militärdiktatur, die ab den 80er-Jahren einen regelrechten Krieg gegen die Maya-Bevölkerung im Hochland führte und Hunderte Dörfer dem Erdboden gleich machte. Der von den Militärs angeführte Grund für die Bekämpfung dieser vorwiegend bäuerlichen Existenzen war, sie unterstützten die gegen das Regime kämpfenden Guerilla-Einheiten UNRG. Die Ixil gab der streng gläubige Christ Ríos Montt einem Staatsanwalt zufolge sogar zur Ausrottung frei, da sie dem Regime als Staatsfeinde gegolten hätten. Die nach dem Ende des Bürgerkriegs (1960-1996) eingesetzte UNO-Kommission wies rund die Hälfte aller vom Regime begangenen Kriegsverbrechen der Herrschaftszeit Ríos Montts zu.
Der durch einen Putsch an die Macht gekommene und durch einen solchen auch wieder abgesetzte General genoss nach der Diktatur als Abgeordneter und sogar Kongresspräsident Immunität. Erst seit Januar 2012 ist seine strafrechtliche Verfolgung möglich. Seitdem steht der 86-Jährige unter Hausarrest.
Für Menschenrechtsverbrechen sieht Guatemalas Strafrecht mindestens 20 Jahre Haft vor, für Völkermord mindestens 30 Jahre. Die guatemaltekische Botschaft in Berlin sagte gegenüber »nd«: »Der Prozess ist ein historisches Ereignis für Guatemala, da es ein Präzedenzfall ist.«
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