Lasalle und Lasagne
Wolfgang Hübner über das Verhältnis der SPD zu den eigenen Quellen
Freunde der gepflegten Lasagne erleben gerade schwere Zeiten: Sie würden ja gern zugreifen, aber sie wissen nicht so recht, was drin ist. Rind? Pferd? Vielleicht sogar Zebra, Sägespäne oder Altreifen? In Island sollen ja eine Fleischpastete ohne eine einzige Faser Fleisch gefunden worden sein. Nun fragen sich die Lasagnefans: Verzichten oder zum kleinstmöglichen Übel greifen?
Das berührt grundsätzliche Problemstellungen, die mit Taktik, Opportunismus und der Reichweite von Kompromissen zu tun haben. Womit wir bei der SPD wären. Die quält sich mit einem Kandidaten, bei dem auch niemand weiß, was eigentlich noch drin ist. Jedenfalls kaum das, was drauf steht: Kanzler. Um ein bisschen Pepp in die müde Kampagne zu bringen, müssen jetzt alle Genossen mitziehen, auch die aus dem Jenseits. Selbst der Genosse Ferdinand Lasalle wurde aktiviert und zum Gründervater ausgerufen. Das Gute daran: Er kann sich nicht mehr wehren, im Gegensatz etwa zu der Zeitarbeitsfirma, deren Slogan „Das Wir entscheidet“ die SPD aus Versehen kopiert hat. Lasalle soll‘s bringen, mit der Kraft des altgedienten Arbeiterführers.
Könnte man Peer Steinbrück auch so titulieren? Auf diese verwegene Idee ist bisher nicht einmal sein sonst zu allem fähiges Wahlkampfteam gekommen. Die SPD klebt außen Lasalle drauf, wo Steinbrück drin ist. Es ist im Grunde das Gleiche wie bei der Lasagne. Die wurde übrigens schon massenweise zurückgerufen.
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