Boulevard

Rolf Kleine ist der neue Pressesprecher von Peer Steinbrück

  • Aert van Riel
  • Lesedauer: 2 Min.

Vom früheren SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist das Zitat überliefert, zum Regieren brauche er nur »Bild«, »BamS« und »Glotze«. Offenbar setzt nun auch sein Parteifreund Peer Steinbrück, der unbedingt ebenfalls Kanzler werden will, im Wahlkampf auf die Boulevardmedien. Das dürfte eine Erklärung dafür sein, warum er als Nachfolger für seinen gefeuerten Pressesprecher Michael Donnermeyer den Journalisten Rolf Kleine gewählt hat. Der 52-Jährige hat unter anderem zur »Bild«-Zeitung gute Kontakte. In den 90er Jahren war er Chefreporter des Blattes. Nach einer kurzen Tätigkeit bei der »Berliner Zeitung« ging er als Leiter des Hauptstadtbüros zur »Bild«-Zeitung zurück. Dort pflegte der gebürtige Niedersachse ein gutes Verhältnis zu Schröder, der vor drei Jahren in einem Interview ohne kritische Nachfragen von Chefredakteur Kai Diekmann und Kleine als »Kanzler der Reformen« bezeichnet wurde. Ein Lob für die neoliberale Agenda 2010.

Zuletzt war Kleine als Leiter der Hauptstadtrepräsentanz für den Immobilienkonzern Deutsche Annington tätig. Dieser gehört zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Eine Tätigkeit, die noch für Sprengstoff in der SPD sorgen könnte. Denn das ausgeprägte Gewinnstreben des Konzerns geht offenbar zulasten vieler Mieter. In Nordrhein-Westfalen wurde im März dieses Jahres wegen überzogener Mieterhöhungen und mangelnder Instandhaltung der Wohnungen das Aktionsbündnis »Stop Deutsche Annington« gegründet. Unterstützt wird das Bündnis von Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes und SPD-Mitglied.

Freunde von Politikerbiografien kennen Kleine auch als Autor von Büchern über Gerhard Schröder und Johannes Rau. Dass er den Job bei Steinbrück auch angenommen hat, um für ein neues Werk über einen bekannten SPD-Mann zu recherchieren, ist durchaus möglich. Dafür müsste Steinbrück aber die Wahl gewinnen. Denn selbst eingefleischte Sozialdemokraten werden sich neben den drei bereits erschienenen Steinbrück-Büchern nicht noch eine vierte Biografie über einen gescheiterten Politiker in ihr Regal stellen.

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