Mollath bittet um Gefängnis
Auftritt vor Münchner Untersuchungsausschuss
München (dpa/nd). Gustl Mollath wirft seiner Ex-Frau weiterhin illegale Schwarzgeldgeschäfte vor. Anfänglich habe die Bankerin im Auftrag ihres Arbeitgebers illegal Schwarzgelder von Bankkunden in die Schweiz geschafft, später sogar hinter dem Rücken der HypoVereinsbank Schwarzgeld-Transfers eingefädelt, sagte er am Dienstag vor dem Mollath-Landtagsuntersuchungsausschuss. »Ich habe gewusst, das muss aufhören − zum Schutz meiner damaligen Frau und zu meinem Schutz.« Schließlich habe er keine andere Möglichkeit gesehen, als sich in Schreiben an beteiligte Banken, die Justiz sowie Politiker zu wenden. Die frühere Frau des Nürnbergers hat bestritten, dass Schwarzgeld-Schiebereien jemals ein Thema zwischen ihr und ihrem Ex-Mann waren.
Mollath war 2006 wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen worden − weil er laut damaligem Urteil seine Frau schwer misshandelt und die Reifen mehrerer Dutzend Autos zerstochen haben soll. Mollath selbst − und mit ihm viele Unterstützer − glauben, er sei Opfer eines Komplott seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe aufgedeckt habe.
Mollath bat am Dienstag zugleich um seine Unterbringung in einem normalen Gefängnis. »Sollte ich lebenslang in Sicherungsverwahrung bleiben müssen, wünsche ich mir eine Unterbringung in einem normalen Gefängnis«, sagte Mollath. Er sei sicher, dass dort die Bedingungen deutlich besser seien als in der geschlossenen psychiatrischen Klinik. Er appellierte an die anwesenden Landespolitiker, dafür die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.
Der Freistaat Bayern könnte damit zugleich erhebliche Kosten sparen: »Die Unterbringung in einem normalen Gefängnis wäre etwa nur halb so teuer wie in der Psychiatrie.« Derzeit koste seine Unterbringung in der Psychiatrie rund 100 000 Euro im Jahr. »Inzwischen belaufen sich die Kosten also auf rund 800 000 Euro«, fügte der 56-Jährige hinzu.
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