Kirche macht gegen Friedens-Proteste Front
Evangelische Landeskirche Hannover empfiehlt, Hausrecht an Bundeswehr übertragen - um »Störungen« zu vermeiden
Berlin (nd). Proteste von Friedensaktivisten können offenbar künftig mit Hilfe der evangelischen Kirche leichter verhindert werden. Wie die Wochenzeitung »Der Freitag« berichtet, solle bei Trauerfeiern für Bundeswehr-Soldaten das Hausrecht von der Kirchengemeinde auf die Armee übertragen werden, »um Störungen vermeiden zu können«. Eine entsprechende Empfehlung habe die evangelische Landeskirche Hannover gegenüber ihren Gemeinden schriftlich übermittelt. Feldjäger könnten dann direkt gegen Pazifisten vorgehen, so das Blatt.
Friedensaktivisten haben die Empfehlung der Kirche umgehend kritisiert: »Das Hausrecht der Kirche ist ein ganz hohes Gut, welches selbst in der DDR und in der Nazi-Zeit verteidigt wurde«, zitiert »Der Freitag« das Kirchenmitglied Gerhard Biederbeck.
Der Vorschlag der Hausrecht-Übertragung kommt dem Bericht zufolge ursprünglich von der evangelischen Militärseelsorge, die zur Bundeswehr gehört und vom Verteidigungsministerium bezahlt wird. Ein entsprechendes Schreiben der Militärseelsorge sei von der Landeskirche Hannover an die Gemeinden weitergeleitet worden, mit dem Hinweis, die Regelung sei »mit der Theologischen Abteilung im Landeskirchenamt abgestimmt«. Angefügt worden sei außerdem ein Formular zur Übertragung des Hausrechts, in das nur noch Ort und Datum eingefügt werden müssen.
Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland sagte zu der Empfehlung, das sei alleinige Sache zwischen der Militärseelsorge und der Landeskirche Hannover. Andere Teile der Kirche hätten den Brief der Militärpfarrer nach bisherigen Kenntnissen nicht an ihre Gliederungen weitergeleitet.
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