Der Rechtsanspruch wird erfüllt

Berlin bietet mehr als genug Kita-Plätze, an Räumen und Fachkräften mangelt es aber

  • Ralf Hutter
  • Lesedauer: 3 Min.

Träger von Kindertagesstätten und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) haben ihre Zufriedenheit über den Ausbau der Kinderbetreuung in Berlin ausgedrückt. Sie gehen davon aus, den ab August geltenden bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr erfüllen zu können.

In Berlin besuchen den Senatsangaben zufolge zwei Drittel aller Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren und 93 Prozent der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren eine Kita, womit die Hauptstadt bundesweite spitze sei. Scheeres will diese Werte aber noch auf 70 beziehungsweise 95 Prozent erhöhen. Die Chancen dafür dürften insoweit nicht schlecht stehen, als zum einen bei Tagesbetreuung und Pflege eine Reserve von 3000 Plätzen besteht, und zum anderen das Ziel, 2012 und 2013 insgesamt 3200 Plätze zu schaffen, schon erreicht ist: Bereits im ersten Quartal 2013 lag der Wert bei 4300. Bis Ende des Jahres sollen es nun über 5000 sein.

Das gute Ergebnis liege an dem »fortschrittlichen Kita-Finanzierungssystem in Berlin«, sagte Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen. So würden nur tatsächlich belegte Plätze finanziert. Zudem könnten die freien Träger bei der Finanzierung verschiedene Wege gehen.

Die versammelten Fachleute waren sich jedoch einig darin, dass Land und Träger sich nicht auf den Zahlen ausruhen dürften. »Wir müssen den Ausbau weiter betreiben«, sagte Hoyer. »Der Zensus zeigt einen steigenden Bedarf.«

Zu berücksichtigen ist generell, dass es den Fachleuten zufolge in Kitas normalerweise eine Wellenbewegung gibt, was die Auslastungszahlen angeht. Statistische Zahlen wie die der freien Plätze seien daher mit Vorsicht zu genießen und kein Grund, finanzielle Mittel umzuleiten, wie es andere Senatsverwaltungen angesichts des vermeintlichen Überangebots gefordert hätten. Zudem sind die Kapazitäten nicht überall in Berlin gleich.

Martin Hoyer verwies da auf ein großes Hindernis: »Räume sind im Innenstadtbereich ein Problem. Auch Freiflächen sind da kaum zu finden.« In manchen Stadtteilen sei aber der bloße Ausbau von Kitas nicht ausreichend, da müssten Neubauten her.

Ein anderes strukturelles Problem ist der Fachkräftemangel. Erst ab 2016 entspanne sich da die Lage, sagte Hoyer, und fügte hinzu: »Das Quereinsteigerprogramm wird von uns sehr befürwortet und sollte ausgebaut werden.« Senatorin Scheeres verwies auf die Beratungsstelle des Senats für Interessierte. Auf Nachfrage sagte sie, dass es keine Aktivitäten zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland gebe. Auch die vertretenen Träger hatten dazu nichts zu sagen, wenngleich Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) da eine »große Reserve« sieht. Er mahnte schnellere Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse an. Auch Kern will mehr Quereinstiege. Für sämtliche Fragen zum Berufseinstieg verwies er auf das vom DaKS mit erstellte Online-Portal www.erzieher-werden-in-berlin.de.

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