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Ibrahim Boubacar Keita wird neuer Präsident im Krisenstaat Mali
Aller guten Dinge sind drei. Zumindest gilt das für Ibrahim Boubacar Keita und sein Bestreben, Präsident in Mali zu werden. Nachdem er 2002 und 2007 jeweils gegen Amadou Toumani Touré gescheitert war, hat er es nun im stolzen Alter von 68 Jahren geschafft: Sieg in der Stichwahl gegen Soumaila Cissé.
Ein malischer Mandela, der das von Bürgerkrieg und Sezessionsbestrebungen im Norden sowie weit verbreiteter Armut im Süden geplagte Land mit sich selbst versöhnen könnte, ist er von Haus aus nicht. Aber wer ist das schon? Keita, von seinen Anhängern nur IBK genannt, ist sich allerdings durchaus bewusst, dass er vor einer schwierigen Aufgabe steht: »Mali ist kein leichtes Land.« Was ihm bei dieser Mammutaufgabe helfen könnte, ist die ihm zugesprochene Tatkraft und seine bereits gesammelte Regierungserfahrung. Unter dem Vorgänger Tourés, dem von 1992 bis 2002 amtierenden Alpha Oumar Konaré, arbeitete IBK ab Februar 1993 als Außenminister und wurde ein Jahr darauf sogar Premierminister. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Mannes der harten Hand, als er Streiks mit der Parole »Nein zum Chaos« niederschlagen ließ. Dabei versteht sich Keita als Sozialdemokrat und brachte es als Vorsitzender der damaligen Regierungspartei Adéma 1999 bis zum Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale.
Eigentlich sollte Keita in Konarés Fußstapfen treten. Doch da ein Teil der Adéma dagegen aufbegehrte, machte Keita auf eigene Rechnung weiter und gründete 2001 seine politische Organisation, die Sammlungsbewegung für Mali (RPM), die zu einer starken Kraft im Parlament wurde und ihn nun bis ins Präsidentenamt trug. Gut ein Jahr nach dem Militärputsch gegen Touré, den Keita, der an der Pariser Sorbonne Geschichte und Politik studierte, als einziger der Präsidentschaftskandidaten eindeutig verteidigte: »Ich bin stolz darauf, dass die Armee mich unterstützt.« »Wie kann jemand ein guter Präsident sein, wenn er nicht das Vertrauen der Streitkräfte hat?« Dass er ein guter Präsident ist, muss er freilich erst noch beweisen.
Martin Ling
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