Ein Armeechor in Dallas, Gebete und Hillary Clinton
Am Grab von John F. Kennedy hat US-Präsident Barack Obama der Ermordung des legendären Staatsmannes vor 50 Jahren gedacht. Begleitet von First Lady Michelle Obama und der früheren Außenministerin Hillary Clinton legte er am Mittwoch mit Ex-Präsident Bill Clinton einen Kranz an Kennedys letzter Ruhestätte auf dem Nationalfriedhof Arlington vor den Toren Washingtons nieder. Clinton und Obama bemühen sich beide um Anerkennung als Erben ihres ebenfalls demokratischen Vorgängers.
Zuvor hatte Präsident Obama mehreren Prominenten die Freiheitsmedaille verliehen, darunter Bill Clinton und die Fernsehikone Oprah Winfrey. Die Medaille war von John F. Kennedy 1961 in einer modernen Version gestiftet worden. Doch er wurde kurz vor ihrer Verleihung erschossen.
Große Beachtung fand die Teilnahme von Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die im parteiinternen Vorwahlkampf 2008 Obama unterlegen war - unter anderem, weil sich damals die Kennedys gegen sie ausgesprochen hatten. Hillary Clinton gilt bei den Demokraten als aussichtsreichste Nachfolgerin Obamas bei den Präsidentschaftswahlen 2016.
Gedenkveranstaltungen werden in zahlreichen USA-Städten begangen, die zu Kennedys Wirkungsstätten gehörten. Am Attentatsort Dealey Plaza im texanischen Dallas werden am Jahrestag 5000 ausgesuchte Gäste einem Armeechor zuhören und Gebeten folgen. Als Höhepunkt gilt eine Lesung von Auszügen von JFK's Reden. In der Hauptstadt Washington wird sich Obama mit Vertretern des von Kennedy 1961 gegründeten »Peace Corps« treffen. Am selben Tag werden Tausende Besucher am Grab des Ermordeten auf dem Soldatenfriedhof in Arlington in der Nähe von Washington erwartet. Auch in Brookline im Bundesstaat Massachusetts, wo JFK aufwuchs, und in Chicago wird des Todestags gedacht. Die Massenmedien erinnern seit mehreren Tagen an den Jahrestag der Ermordung und - meist in verklärter Weise - an das Erbe von JFK. Enthüllungen zu ungeklärten Fragen der Umstände der Ermordung waren dabei nicht zu erwarten.
Im Gegensatz dazu stehen aktuelle Meinungsumfragen. Rund zwei Drittel der Befragten sind der festen Meinung, dass die Kennedy-Ermordung nicht auf den »Einzeltäter« Lee Harvey Oswald zurückgeht, sondern Teil eines breiteren »Komplotts« gewesen sei. Zwei Drittel glauben darüber hinaus, dass die Regierungen in Washington die »Wahrheit« vertuschen.
Wer allerdings dahinterstecken könnte - darüber gehen die Meinungen seit Jahrzehnten konstant auseinander. Ganz vorne stehen das organisierte Verbrechen und die Mafia sowie die CIA. Dann folgen Fidel Castro, der KuKluxKlan, die Sowjetunion und Lyndon B. Johnson. Den weitaus größten Anteil der Zweifler macht die Gruppe aus, die sich sicher ist, dass etwas vertuscht wurde. Sie ist sich aber nicht sicher, wer dahinter steckt. Das betrifft gut 40 Prozent der Befragten.
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