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Armut schmeckt schlecht
Andreas Fritsche lobt das Engagement der Tafeln
Eigentlich müssten Lohn, Rente oder Stütze ausreichen, um sich gesund zu ernähren. Es ist es ein Unding, wenn Menschen auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind. Es ist eine Frechheit, wenn Behörden arme Bundesbürger und Flüchtlinge, die um Essen betteln, zu den Tafeln schicken, anstatt selbst zu helfen.
Daran tragen die Tafeln und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer jedoch keine Schuld. Es ist ja wenig wahrscheinlich, dass Löhne, Renten und Stütze angehoben werden, falls die 41 Tafeln in Berlin und Brandenburg morgen ihre Tätigkeit beenden. Schließlich müsste in Deutschland auch dann niemand hungern oder verhungern. Denn wer zum Leben wirklich zu wenig hat, bekommt auf Antrag Unterstützung und hat dann zum Sterben zu viel. Er kann sich nur sonst gar nichts leisten - zum Beispiel keinen noch so billigen Urlaub, auch keinen Ausflug, keine Geburtstagsgeschenke für die Enkel.
Dafür spart ein paar Euro, wer zur Tafel geht. Weil ein bisschen Freude jetzt und hier jeder verdient und niemand auf bessere Zeiten vertröstet werden sollte, muss man den Tafeln dankbar sein. Nebenbei tut es Menschen wie Viola Knerndel um die vielen Lebensmittel leid, die heutzutage immer noch weggeschmissen werden. Nach der Pleite ihrer Firma war die Buchhalterin ein Vierteljahr arbeitslos, als sie 1998 ehrenamtlich bei der Oranienburger Tafel anfing. Es gibt Umweltaktivisten, die fischen aus Überzeugung Lebensmittel aus der Abfalltonne, retten Lebensmittel. Wenn die Tafeln zugreifen, bevor das Essen in der Tonne landet, kann dies nicht falsch sein.
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