Linkenvorsitzende für Lohnoffensive
Kipping plädiert für Anhebungsgesetz: Alle kleinen Gehälter einmal im Jahr an die Inflation anpassen / DGB sieht »ewige Klage« der Unternehmen gelassen
Berlin. Die Linkenvorsitzende Katja Kipping hat eine »politische Lohnoffensive für alle Beschäftigten« gefordert. »Die Hälfte der Beschäftigten wird gar nicht mehr von Tarifverträgen erfasst«, sagte Kipping der »Rheinischen Post«. Deshalb brauche man »eine politische Lohnoffensive. Wir sollten im Gesetz die Regel verankern, dass alle Löhne im unteren und durchschnittlichen Bereich einmal im Jahr mindestens an die Inflation angepasst werden«, sagte die Parteivorsitzende.
Zuletzt hatte auch der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, prägnante Lohnerhöhungen für die Beschäftigten in Deutschland gefordert. Sie seien bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage angemessen und dringend notwendig, sagte er den »Ruhr Nachrichten«. »Ein Reallohnplus muss sein. Wir brauchen eine Stärkung der Binnennachfrage.« Das Argument, dies überfordere die Unternehmen, wollte Hoffmann nicht gelten lassen. »Es ist die gleiche ewige Klage der Arbeitgeber vor jeder Tarifrunde. Das sehe ich ganz gelassen. Die Gewerkschaften werden damit verantwortungsvoll umgehen.«
Neben der Bundesbank hatte auch die Europäische Zentralbank (EZB) für höhere Tarifabschlüsse in Deutschland geworben. Starke Lohnerhöhungen für die Tarifbeschäftigten stoßen in den Chefetagen deutscher Unternehmen allerdings auf Ablehnung. Bei einer am Montag veröffentlichten Forsa-Umfrage des »Handelsblatts« zeigte sich eine große Mehrheit (83 Prozent) der Führungskräfte befremdet über Äußerungen des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann und weiterer Währungshüter, die in den vergangenen Tagen kräftige Lohnzuwächse befürwortet hatten. 62 Prozent der mehr als 500 befragten Manager vertraten zudem die Meinung, höhere Lohnabschlüsse seien in Deutschland »derzeit nicht angemessen«. Kämen sie dennoch, erwartet mehr als die Hälfte »größere Schwierigkeiten.«
Auch die deutsche Automobilindustrie hält nichts vom Plädoyer für höhere Löhne in Deutschland. »Diese Debatte nimmt zu wenig in den Blick, dass eine hoch entwickelte Industrie nicht nur innerhalb Europas wettbewerbsfähig bleiben muss, sondern auch gegenüber Asien und Amerika«, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA), dem »Tagesspiegel«. Am Dienstag will Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer zur Lohnpolitik Stellung beziehen. Agenturen/nd
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