Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre »Sewol« verurteilt
36 Jahre Haft für Verletzung seiner Dienstpflicht / Behörden stellen Suche nach verschollenen Opfern ein
Gwangju. Der Kapitän der im April verunglückten südkoreanischen Fähre »Sewol« ist am Dienstag zu 36 Jahren Haft verurteilt worden. Der 69-jährige Lee Jun Seok wurde jedoch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Mit dem Urteil geht ein fünfmonatiger, dramatischer Prozess zu dem Schiffsunglück zu Ende, bei dem am 16. April 304 Menschen vor der Küste Südkoreas ums Leben gekommen waren, darunter etwa 250 Schüler. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Kapitän vorgeworfen, die Passagiere im Stich gelassen zu haben und wegen vorsätzlicher Tötung die Todesstrafe gefordert.
Lee räumte in dem Prozess Fehler ein, wies aber den Vorwurf zurück, er habe den Tod der Passagiere bewusst in Kauf genommen. Der Untergang der Fähre mit 476 Menschen an Bord hatte landesweit Empörung hervorgerufen: Nach einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zu der Katastrophe bei.
Kurz vor dem Urteil am Dienstag gaben die Behörden die Einstellung der Suche nach den neun noch vermissten Opfern bekannt. Die Unterwassereinsätze seien beendet worden und er bedaure zutiefst, dass die noch immer vermissten neun Opfer des Fährunglücks nicht gefunden werden könnten, sagte der für Meere und Fischerei zuständige Minister Lee Ju Young am Dienstag. Die Regierung habe »so viele Ressourcen wie möglich« dafür mobilisiert, sagte er. Doch die unsichere Lage rund um das Wrack mache weitere Sucheinsätze unmöglich.
Die Angehörigen der Vermissten hatten trotz Warnungen der Behörden, die Opfer könnten längst ins offene Meer gespült worden sein, vor Ort ausgeharrt. Sie wollten noch am Dienstag eine Pressekonferenz abhalten. Agenturen/nd
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