Reisekönig Henkel: Senat ist gern unterwegs
Rot-Schwarze Reisestatistik: Innensenator seit Amtsantritt schon insgesamt 85 Tage im Ausland
Berlin. Der rot-schwarze Berliner Senat ist reiselustig. In den 3,8 Jahren seit Amtsantritt am 1. Dezember 2011 verbrachten die acht Senatoren und der Regierende Bürgermeister bei 91 Reisen insgesamt 261,5 Tage im Ausland. Einer der Senatoren ist dabei nach einer Auflistung der Senatskanzlei ungekrönter Reise-König: Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) weilte bei 23 Reisen quer durch die Welt - von A wie Afghanistan bis Z wie Zagreb (Kroatien) insgesamt 85 Tage im Ausland. Damit schlug der Innensenator noch die Dienstreisen-Quote der beiden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Michael Müller (beide SPD). Zusammengezählt hielten sie sich bei 23 Reisen 68 Tage im Ausland auf.
Zuerst hatten nur über den Reise-König Henkel in der vergangenen Woche weniger ausführlich das Magazin »Tip« und danach der »Tagesspiegel« berichtet.
Henkel ist auch Bürgermeister und damit einer der beiden Stellvertreter des Regierungschefs. In dieser Eigenschaft unternahm der CDU-Politiker 3 seiner 25 Reisen und fuhr nach Warschau, Washington und Madrid. Als Sportminister weilte er bei den Olympischen Spielen in London und Sotschi sowie der Leichtathletik-WM in Zürich.
Die meisten Reisen gehen jedoch auf das Konto des Innensenators zu Tagungen der NATO in Tallin (Estland), Brüssel, Luxemburg, Dubrovnik (Kroatien), Vilnius (Litauen) und Washington. Henkel besuchte zudem in Afghanistan stationierte Polizisten, schaute sich das European Cybercrime Center von Europol in Den Haag an, besuchte Bürgermeister Vitali Klitschko in Kiew und feierte den 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland in Jerusalem.
Die Regierungschefs belegen zusammen Platz 2. Wowereit kam von Dezember 2011 bis Dezember 2014 auf 20 Reisen und 59 Tage im Ausland. Meist besuchte er Berlins Partnerstädte in aller Welt - etwa Rom, Buenos Aires und Peking. Der Regierende Bürgermeister hielt sich aber auch in Wien, Zürich und Vietnam auf. Sein Nachfolger Müller besuchte Brüssel, Nairobi (Kenia) und Buenos Aires. Die beiden letzten Reisen waren mit seiner Eigenschaft als Sprecher von Metropolis verbunden - ein Netzwerk von rund 140 Haupt- und Millionenstädten in aller Welt.
Platz 3 in der Reisestatistik belegen die Senatoren für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr - Müller und sein Nachfolger Andreas Geisel (beide SPD). Naturgemäß gehen die meisten Auslandsreisen auf Müllers Konto: 11 Reisen mit 31 Tagen. Geisel - seit Dezember 2014 im Amt - unternahm erst 2 Reisen, jeweils 2 Tage - so zur Immobilienmesse MIPIM in Cannes.
Auf Platz 4 folgen die beiden Wirtschaftssenatorinnen Sybille von Obernitz und Cornelia Yzer (beide CDU). Sie weilten auf 9 Reisen - von New York über Brüssel und Mailand bis nach Istanbul - 23 Tage im Ausland. Platz 5 hält Arbeits- und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) mit 4 Reisen und 15 Tagen. Auf Platz 5 folgen die beiden Finanzsenatoren Ulrich Nußbaum (parteilos) und Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) mit 6 Reisen und 12 Tagen.
Justizsenator Thomas Heilmann und Sozialsenator Mario Czaja (beide CDU) gehören mit 5 Reisen an 9 Tagen und 4 Reisen an 7,5 Tagen zu den »Wenig-Reisenden« im Senat. Die »rote Laterne« hält Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Sie bringt nur 2 Reisen und 6 Tage nach Ägypten und Neapel auf die Waagschale. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.