Erfolg unter Vorbehalt
Christian Baron lobt die Berliner Hanfparade – und blickt nach vorn
Drogenpolitisch aktive Christdemokraten verbreiten gerne das verzerrte Schreckensbild des in jungen Jahren wegen seines Cannabis-Konsums in die Sucht abgerutschten Junkies, der vom rechten Weg abkam, weil er dauerzugedröhnt nur noch zu stammeln vermag wie Opa Alzheimer nach dem fünften Schlaganfall. Passend zur CDU-typischen Doppelmoral verkünden sie ihr besorgtes Plädoyer gegen das gepflegte Kiffen nicht selten vor entsprechend betanktem Publikum in den beißenden Biergestank eines Volksfestzeltes hinein.
Umso besser, dass sich nach der LINKEN, den Grünen und den Piraten nun auch die Berliner SPD in eine das Cannabis entkriminalisierende Richtung bewegt: Im Oktober werden die Mitglieder befragt. Als Entscheidungshilfe sollte ihnen die erfolgreiche »Hanfparade« dienen, bei der am Samstag 8000 Menschen für die Legalisierung eintraten. Zeigt dies doch: Dafür auf die Straße zu gehen, hat längst nichts Verwegenes mehr. Zu einleuchtend sind die Argumente der Befürworter.
Trotzdem gilt es, vorsichtig zu sein. Denn dem Kapitalismus gelingt es meist, genusspolitische Fortschritte zu vereinnahmen. In den wohl bald einsetzenden Legalisierungsprozess müssen sich die Aktivisten daher einmischen, damit sich beim Cannabis kein ähnliches Oligopol mit milliardenschweren Konzernen entwickelt wie etwa beim Tabakmarkt, der Menschen systematisch in die Sucht treibt und selbst Kinder zu Kunden gemacht hat, derweil der Staat lieber auf Steuereinnahmen schielt, statt dagegen vorzugehen.
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