»Wir akzeptieren keine äußere Einmischung«
Saudi-Arabischer Außenminister weist Kritik an Inhaftierung des Bloggers Raif Badawi von sich
Berlin. Trotz neuer internationaler Bemühungen gibt es für den saudi-arabischen Blogger Raif Badawi weiterhin kaum Hoffnung auf eine baldige Freilassung. Der saudische Außenminister Adel Dschubair wies bei einem Besuch in Berlin am Montag alle Kritik aus dem Ausland an der Inhaftierung strikt zurück. Die Justiz seines Landes werde unabhängig entscheiden, wie es mit Badawi weitergehe. »Wir akzeptieren keine äußere Einmischung«, sagte Dschubair.
Der Fall hat international großes Aufsehen erregt. Saudi-Arabien steht wegen massiver Menschenrechtsverletzungen immer wieder in der Kritik. Bei einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ging es auch um die Auswirkungen der Atomvereinbarungen mit dem Iran auf die Region.
Badawi war 2012 nach Kritik an der saudischen Religionspolizei verhaftet worden. Vergangenes Jahr wurde er zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt, auch wegen Beleidigung des Islams. Im Januar bekam er öffentlich die ersten 50 Peitschenhiebe. Der weitere Vollzug wurde aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt.
Der Fall spielte auch bei Steinmeiers Gesprächen mit Dschubair eine Rolle. Der SPD-Politiker sagte anschließend: »Natürlich hoffen und setzen wir darauf, dass es eine menschliche Lösung gibt.« Zugleich forderte er Saudi-Arabien zu Fortschritten bei der Verwirklichung der Menschenrechte auf.
Steinmeier äußerte die Hoffnung, dass das Atomabkommen mit dem Iran »neue Optionen« für die verschiedenen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten ermöglicht. Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, die große Zweifel an Irans Glaubwürdigkeit haben. Weiteres Thema war die Entwicklung im Jemen.
Beide Minister mahnten insbesondere neue diplomatische Bemühungen für eine Entschärfung des Bürgerkriegs in Syrien an. Steinmeier sagte: »Jeder weiß, dass wir zu einer Lösung kommen müssen, bevor es zu einem endgültigen Zusammenbruch aller Institutionen in Syrien kommt.« Nach seinem Besuch in Berlin reiste Dschubair nach Moskau weiter. Russland ist einer der letzten verbliebenen Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.