Ägypten maßregelt Journalisten

Internationale Proteste gegen Verurteilung von drei Mitarbeitern von Al-Dschasira

  • Lesedauer: 2 Min.
Drei Journalisten des arabischen Senders Al-Dschasira wurden in Ägypten zu Haftstrafen verurteilt, weil sie Falschmeldungen verbreitet haben sollen. Gegen das Urteil wird international protestiert.

Frankfurt a.M. Die Verurteilung von drei Fernsehjournalisten in Ägypten hat Kritik ausgelöst. Die US-Regierung erklärte, sie sei tief enttäuscht und besorgt über die Entscheidung. Die Mitarbeiter des arabischen Senders Al-Dschasira, Peter Greste, Mohamed Adel Fahmi und Baher Mohamed waren am Samstag zu je drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage warf ihnen vor, mit Falschmeldungen den nationalen Interessen geschadet und die verbotenen Muslimbrüder unterstützt zu haben.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, das Urteil untergrabe die Pressefreiheit, die für die Stabilität und Entwicklung Ägyptens wichtig sei. Washington rief die Regierung in Kairo auf, alle möglichen Schritte gegen den Gerichtsentscheid zu unternehmen. Der ägyptische Richter Hassan Farid sagte zur Begründung des Urteils, die drei Männer seien nicht als Journalisten registriert gewesen und hätten von einem Hotel in Kairo aus ohne Lizenz gearbeitet.

Fahmi und Mohamed wurden nach der Urteilsverkündung in Kairo abgeführt. Wie lange sie in Haft bleiben müssen, blieb unklar, da sie bereits über ein Jahr inhaftiert waren. Die Verteidigung wird vermutlich in Berufung gehen. Mohamed erhielt eine zusätzliche Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Australier Peter Greste war bei der Verkündung am Samstag nicht in Ägypten und wurde in Abwesenheit verurteilt. Er äußerte sich im Kurznachrichtendienst Twitter »geschockt, empört, verärgert, entsetzt«. Auch die Organisation »Reporter ohne Grenzen« reagierte mit Entsetzen. Der Prozess zeige, wie in Ägypten täglich die Medienfreiheit eingeschränkt würde.

Der Sender Al-Dschasira protestierte gegen den Richterspruch. Der geschäftsführende Direktor des Senders, Mostefa Souag, sagte: »Es ist ein schwarzer Tag für die ägyptische Justiz, die sich statt Freiheiten zu verteidigen, politischen Interessen gebeugt hat.« Das gesamte Verfahren sei nicht unabhängig und fair verlaufen. Es habe keine Beweise gegeben, dass die Journalisten Nachrichten verfälscht oder die Muslimbruderschaft unterstützt hätten.

Die drei Journalisten waren bereits im Juni 2014 zu sieben bis zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht in Ägypten hob das Urteil im Januar auf und ordnete ein neues Verfahren an. Greste wurde nach Australien abgeschoben. Der kanadisch-ägyptische Journalist Mohamed Adel Fahmi, der das Al-Dschasira-Büro in Kairo geleitet hatte, und der Ägypter Baher Mohamed waren im Februar auf Kaution freigelassen worden. epd/nd

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -