Poroschenko zwischen den Fronten
Klaus Joachim Herrmann über die tödlichen Krawalle zur Verfassungsreform
Mit seinem immer noch zaghaften Versuch einer Verfassungsreform geriet Präsident Poroschenko endgültig und weithin sichtbar zwischen die Fronten. Was den Ultranationalisten und der radikalen Rechten allzu weit geht, ist den Repräsentanten des russisch orientierten Donbass nicht einmal annähernd weit genug. Die erste Lesung ging über die - blockierte - Bühne der Werchowna Rada. Ihr Preis war mörderischer Krawall vor der Haustür.
Aus den Zentren der Ostukraine verlautete wiederum, das so mühselig durchgesetzte Abstimmungsergebnis habe nichts gemein mit Sonderrechten und damit den Minsker Vereinbarungen. Das hat ja das offizielle Kiew selbst wiederholt versichert. Die brutale Unverschämtheit des Chefs des Sicherheitsrates Turtschinow, er wolle den Donezker Chef Sachartschenko »in der Plastiktüte« serviert haben, blieb selbst an diesem Tag unwidersprochen.
Einem direkten Dialog mit den Bürgern der Ostukraine und dem generell unter Terroranklage gestellten Gegner weicht die Zentralmacht stets noch selbstgefällig und hartnäckig aus. Nur mit Verständigung und Kompromiss aber wäre der Konflikt zivilisiert zu lösen. Dazu sollte sich der Präsident endlich bekennen. So ließe sich auch Moskau bei seinem Wort nehmen, dass es ihm nur um das Wohl der Russen gehe. Der für den 1. September angesetzte Waffenstillstand aber scheint schon zu Beginn kaum etwas wert zu sein.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.