Ukraine hebt Einreiseverbote für Journalisten auf

Sanktionen gegen Russland treffen auch westliche Medienvertreter

  • Lesedauer: 2 Min.
Eigentlich will die Ukraine mit ihren Sanktionen Russland bestrafen. Doch auf der Liste mit Einreiseverboten stehen auch westliche Journalisten. Das Echo auf die Strafmaßnahmen trifft die proeuropäische Führung in Kiew prompt.

Kiew/Moskau. Nach scharfer Kritik des Westens hat die Ukraine Einreiseverbote für mehrere ausländische Journalisten wieder zurückgenommen. Auf Anweisung von Präsident Petro Poroschenko strich der Nationale Sicherheitsrat am Donnerstag sechs westliche Reporter von seiner neuen Sanktionsliste, darunter auch einen Deutschen. Zuvor hatte unter anderem die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Einschränkungen als Verstoß gegen die Pressefreiheit verurteilt.

Poroschenko hatte am Mittwoch die ukrainischen Sanktionen gegen Russland wegen des Krieges im Osten des Landes und der Annexion der Halbinsel Krim ausgeweitet. Mehr als 100 Firmen und Organisationen sowie fast 400 Personen sind betroffen.

Auf der Liste standen auch westliche Journalisten, die Verständnis für die russische Haltung gezeigt haben sollen. Neben Reportern der BBC war unter anderem der Deutsche Michael Rutz betroffen.

Mit den Sanktionen will die prowestliche Führung in Kiew nach eigener Darstellung ihre nationalen Interessen schützen. Die Bewegungsfreiheit von Reportern zu begrenzen, führe aber nicht zu mehr Sicherheit, betonte die OSZE-Beauftragte für Pressefreiheit, Dunja Mijatovic, in Wien.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, Rebecca Harms, bezeichnete das Verbot als »großen Fehler«. »Auch in der Ukraine müssen die Regierenden verstehen, dass Kritik und andere Meinungen Teil jeder demokratischen Kultur sind«, teilte sie mit.

Rutz, ehemaliger Chefredakteur des »Rheinischen Merkur«, zeigte sich überrascht vom Einreiseverbot. »Ich war noch nie in der Ukraine und habe auch nicht die Absicht, in nächster Zeit dorthin zu reisen«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Rutz sowie BBC-Mitarbeiter und zwei spanische Reporter wurden nach der scharfen Kritik von der Liste genommen. Mehrere russische Journalisten stehen weiterhin auf der Liste.

Der Kreml in Moskau verurteilte die Einreiseverbote. »Dies entspricht absolut nicht dem Prinzip der Meinungsfreiheit«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das russische Außenministerium bestellte einen ranghohen Diplomaten der ukrainischen Botschaft ein und verlangte eine Erklärung.

Moskau warnte auch vor einer neuen Eskalation im Ukraine-Konflikt. Mit den Einreiseverboten sabotiere Kiew den Minsker Friedensplan zur Beilegung des Kriegs im Donbass, sagte Vizeaußenminister Grigori Karassin. In der Ostukraine war die Waffenruhe vom 1. September weitgehend stabil, wie die ukrainische Führung und die prorussischen Separatisten mitteilten. dpa/nd

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.