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Die »Zahnbürste auf Rädern« stottert

Elektrobusse der BVG müssen in der Werkstatt bleiben, der Testbetrieb ist unterbrochen

  • Bernd Kammer
  • Lesedauer: 3 Min.

Sie sollten die erste vollelektrische Buslinie Deutschlands bedienen, doch bisher stehen die Elektro-Busse der BVG vor allem im Depot.

Von Bernd Kammer

Mit ihnen will die BVG in die abgasfreie Zukunft starten. Doch seit fast einem Monat stehen die vier Elektrobusse, mit denen das Unternehmen Ende August zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Zoo den Linienbetrieb aufnahm, in der Werkstatt. Nur an wenigen Tagen konnten die Busse überhaupt von Betriebsbeginn bis -ende durchfahren. Außer dass sie nicht mehr so sanft und lautlos unterwegs sein können, hat das für die Fahrgäste aber keine Auswirkungen. Seit Mitte Oktober werden auf der Linie 204 wieder ausschließlich Dieselfahrzeuge eingesetzt.

Gab sich die BVG noch vor kurzem optimistisch, dass die E-Busse noch im Oktober wieder lossurren können, scheint die Ursachenforschung doch länger zu dauern. »Alle Beteiligten arbeiten an einer dauerhaften Lösung«, so BVG-Sprecher Markus Falkner. Die Beteiligten sind der polnische Busbauer Solaris, die Firma Vossloh Kiepe, die den Elektroantrieb liefert, und der Bombardier-Konzern, der das Batterie- und Ladesystem entwickelt hat. Dieses funktioniert anders als bei herkömmlichen Elektroautos oder den einstigen O-Bussen kontaktlos, ohne Kabel oder Stromabnehmer.

Nach diesem Prinzip werden auch elektrische Zahnbürsten geladen, jetzt muss es sich auch im Großen bewähren. An den Endhaltestellen sind dazu Ladeplatten in die Fahrbahn eingelassen, über die der Bus, sobald er darüber steht, per elektromagnetischem Feld seinen Strom erhält.

An der Ladetechnik soll es nicht gelegen haben, dass die Busse aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Laut BVG hat ein Schutzwiderstand versagt, der eine Überspannung an den Batterien verhindern soll. Dadurch seien zwei der Stromspeicher beschädigt worden. Sicherheitshalber wurden alle vier Fahrzeuge in die Werkstatt beordert. »Das ist ein Testbetrieb, da muss man damit rechnen, dass solche Dinge auftreten«, so Sprecher Markus Falkner. Ein erster Lösungsvorschlag, wonach eine Art zusätzlicher Sicherheitsschalter - ein »Schütz« - künftig Überspannungen verhindern soll, stößt bei der BVG offenbar auf Skepsis. »Wir wollen kein Pflaster drauf, sondern eine dauerhafte Lösung«, sagt Falkner. Das Schütz könnte eine Beschädigung der Batterien zwar verhindern, würde bei Überspannung aber die Batterie abschalten.

Wann die Busse wieder zum Einsatz kommen, ist deshalb völlig offen. Der Testbetrieb der sechs Kilometer langen Strecke, die die erste vollelektrische Buslinie Deutschlands sein sollte, ist für ein Jahr geplant. Das Projekt wird vom Bund innerhalb seines »Schaufensters Elektromobilität« mit 4,1 Millionen Euro gefördert. Allein ein Elektrobus kostet 700 000 Euro, zwei- bis dreimal so viel wie die vergleichbare Dieselvariante. Die soll aber ausgemustert werden. Der Senat hat die BVG verpflichtet, ab 2020 nur noch abgasfreie Busse einzusetzen. Nachdem sich Wasserstoff betriebene Busse im Test nicht bewährt hatten, setzt die BVG jetzt auf Elektrizität. Aber nicht auf die, die wie in der Vergangenheit aus der Oberleitung kommt. »O-Busse sind nicht flexibel einsetzbar, erfordern eine aufwendige Infrastruktur, und bei Unfällen oder Pannen ist der ganze Verkehr auf der Linie betroffen«, so Falkner.

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