Innenminister drängen auf schnelles BAMF
Scharfe Kritik an neuem Behördenchef Weise
Koblenz. Die Bundesländer haben den Bund eindringlich aufgefordert, so rasch wie möglich für schnellere Asylverfahren zu sorgen. Zum Abschluss der Innenministerkonferenz in Koblenz zeigten sich am Freitag mehrere Minister verärgert darüber, dass sich noch immer Hunderttausende unbearbeitete Anträge im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stauen. Frühestens im Mai wird das Bundesamt nach den Worten seines Leiters Frank-Jürgen Weise in der Lage sein, die Asylanträge von 80 000 Flüchtlingen im Monat zu bearbeiten.
Die Zahl der Asyl-Entscheider solle bis April verdoppelt werden, dann könne das Bundesamt ab Mai 80 000 Anträge pro Monat bewältigen, versprach der von den Innenministern eingeladene Bundesamtschef Weise nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD). Weise habe die Zahl der Asylbescheide pro Tag nach eigenen Angaben von 1000 auf 1600 erhöht. Das seien aber noch immer lediglich »50 Prozent der Eingänge«. Aktuell gibt es nach Lewentz’ Worten einen Rückstau von 300 000 unbearbeiteten Asylanträgen. Hinzu kämen Hunderttausende Fälle von Flüchtlingen, deren Verfahren noch gar nicht begonnen habe.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte den Auftritt Weises in der Innenministerkonferenz »weitestgehend enttäuschend, in manchen Teilen sogar erschreckend«. Weise habe auf mehrfache Nachfrage nicht sagen können, »wie viele Asylbescheide dieses Jahr durch das BAMF erstellt werden«. Jäger verlangte deutlich mehr Tempo bei der Bearbeitung der Asylanträge. »Wir müssen befürchten, dass wir auf einen Antragsstau von einer Million Anträgen in diesem Jahr zusteuern«, warnte der Minister. In Nordrhein-Westfalen müssten Flüchtlinge derzeit acht Monate auf den Beginn ihres Verfahrens warten. epd/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.