Darß-Sand soll Hiddensee schützen
Am Weststrand der Ostseeinsel werden derzeit 300 000 Kubikmeter aufgespült
Hiddensee. Mit neuen Sandaufspülungen soll der Weststrand der Insel Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern gegen Sturmfluten gesichert werden. »Die Ostsee nagt an Hiddensee, die Strände werden immer schmaler und Schutzdünen liegen teilweise schon frei«, begründete Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) die Schutzmaßnahme. Mit der Aufspülung von etwa 300 000 Kubikmeter Sand soll an einem 3,5 Kilometer langen Abschnitt der weitere Sedimentabbau verhindert werden. Geschützt würden damit vor allem die Orte Kloster und Vitte.
Der Sand stammt aus der Lagerstätte Darßer Ort westlich der Insel und wird per Schiff nach Hiddensee transportiert. Erst vor kurzem waren 350 000 Kubikmeter Sand von der Ausbaggerung der Stralsunder Nordansteuerung vor Hiddensee aufgespült worden.
Als Konsequenz aus nachträglichen Kampfmittelfunden bei Strandaufspülungen in Rerik und Boltenhagen wurde das Verfahren verändert. Der per Spülleitung an Land gepumpte Sand wird dort durch einen engmaschigen Siebkorb geleitet, der im Meer versenkte Munitionsreste zurückhält. Zudem kontrollierten Mitarbeiter vor Ort den aufgespülten Sand auf mögliche Munition, hieß es.
Die Insel Hiddensee ist geologisch gesehen eine sehr junge Landschaft und entstand während der letzten Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren. Seitdem befindet sich das Gebiet in permanentem Wandel. Die aktuelle Aufspülung ist bereits die fünfte seit 1962. Die drei Wochen dauernde Maßnahme kostet laut Minister Backhaus rund 3,8 Millionen Euro. Landesweit wurden nach Angaben des Ministeriums seit 1990 rund 80 Aufspülungen durchgeführt. Dabei wurden rund 15,8 Millionen Kubikmeter Sand bewegt.
Hiddensee ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist Hiddensee die größte Insel und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen.
Immer wieder suchten Sturmhochwasser Hiddensee heim. In den Jahren 1864 und 1865 wurde die Insel gleich dreimal von Sturmhochwassern durchbrochen, im November 1872 folgte bei Plogshagen eine neuerliche Überflutung. Auch heute noch droht die Spaltung in einen Süd- und einen Nordteil. Das konnte bisher nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen verhindert werden. dpa/nd
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