Messerattacke in Wismar
Solid-Sprecher offenbar von Rechtsradikalen angegriffen
In Wismar ist ein Messerangriff auf den LINKE-Politiker Julian K. verübt worden. Wie es in einer Mitteilung der Partei heißt, schlugen drei Täter das Kreisvorstandsmitglied der Schweriner LINKEN »nieder und stachen, nach Aussage der behandelnden Ärzte, mit einem Messer etwa 17 Mal auf ihr Opfer ein«. Wie K. auf seiner Facebook-Seite schreibt, sei er dabei als »schwule Kommunistensau und Zecke« beschimpft worden. Bei der Linkspartei in Schwerin hieß es, der Angriff sei bereits am Montagabend erfolgt. Bis Dienstag sei K. im Krankenhaus gewesen. Bis jetzt gibt es zum Tatgeschehen selbst nur die Darstellung des Opfers.
Eine Polizeisprecherin bestätigte gegenüber »nd«, dass die Attacke angezeigt wurde. Die Sprecherin erklärte, die Polizei ermittele »mit Hochdruck«. Neben der Kriminalpolizei in Schwerin und Rostock sei auch der Staatsschutz Ansprechpartner. Problematisch für die Polizei sei aber, dass Anzeige erst am Dienstag online erstattet wurde, was die Sprecherin als »unüblich« bezeichnete. Dies erschwere die Suche nach Tätern und Zeugen sowie die Ermittlungen.
Dass die Anzeige möglicherweise früher eingegangen sein könnte, schloss die Sprecherin aus, da die Internetwache analog zum telefonischen Notruf 24 Stunden besetzt sei und der Anzeigeneingang permanent kontrolliert werde. Der Fall habe eine »hohe Priorität«. Bis Montagnachmittag war K. laut einer Polizeisprecherin nicht erreichbar; die Polizei ruft mögliche Zeugen auf, die das Geschehen am Montag gegen 17 Uhr am Bahnhof Wismar beobachtet haben, sich zu melden.
Julian K. schrieb auf seiner Facebook-Seite: »Wie es aussieht habe ich noch einmal Glück gehabt es wurden keine Sehnen oder ähnliches verletzt. Es blieb bei Fleischwunden und leichten Prellungen.« Auch der Schweriner LINKE-Kreisvorsitzende Peter Brill sagte gegenüber »nd«, dass es K. so weit gut gehe - die Stiche gingen vor allem in den Brust- und Armbereich. Bei so einer Attacke mit 17 Stichen »wird der Tod billigend in Kauf genommen«, so Brill. In Wismar gibt es laut Brill eine starke rechtsextreme Szene.
Auch Martina Renner, LINKE- Mitglied im Innenausschuss, verweist auf die Tatsache, dass die Messerattacke in einer Reihe mit anderen Angriffen in Wismar stehe. »In der Nacht auf den 1. November letzten Jahres griffen vermummte Neonazis zwei junge Männer aus Syrien mit Baseballschlägern an, wenige Wochen zuvor zogen einige hundert RassistInnen durch Wismar und bedrohten Linke und JournalistInnen. Danach griffen Teilnehmer zwei Flüchtlinge an«, schreibt Renner auf ihrer Website.
Phillip Bock, Sprecher für Antifaschismus im Landesvorstand der LINKE im Nordosten, sieht in der Tat eine »völlig neue Dimension« der neonazistischen Gewalt. »Es ist schockierend, dass mittlerweile von neonazistischer Seite nicht einmal mehr Mord als Methode ausgeschlossen wird.«
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