Tüftler fühlen sich in Sachsen heimisch
Bei Patentanmeldungen liegt das ostdeutsche Bundesland deutschlandweit im Mittelfeld
Tüftler und Erfinder bleiben Sachsen treu. Viele Innovationen in Wirtschaft und Technik werden vor allem in Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt, ergab eine Umfrage der dpa. Das Wirtschaftsministerium hat 2015 nach eigenen Angaben 557 Technologieprojekte mit etwa 112 Millionen Euro aus europäischen Strukturfonds- und Landesmitteln gefördert - so viele wie nie zuvor in einem Jahr.
Je 968 Patente aus Sachsen wurden 2013 und 2014 beim Deutschen Patent- und Markenamt in München angemeldet. Eine aktuellere Zahl gibt es zwar nicht, aber seit 1999 liegt diese meist bei etwa 1000. Der Freistaat belegt damit laut Wirtschaftsministerium den siebten Rang unter den Ländern und sei Spitzenreiter in Ostdeutschland. Allein aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen stammen mehr als drei Viertel der mehr als 48 100 Patentanmeldungen bundesweit.
Bezogen auf die Einwohnerzahl rangiert Sachsen mit 24 Patentanmeldungen je 100 000 Einwohner auf Rang 8. Im internationalen Vergleich glänzen die Sachsen mit besonders vielen Patenten bei Werkzeugmaschinen, der Oberflächentechnik, in der chemischen Verfahrenstechnik sowie der Elektrotechnik und im Bereich der elektrischen Energie, wie das Ministerium unter Verweis auf einen Technologiebericht mitteilte. Im innerdeutschen Vergleich sei es die Halbleitertechnik, gefolgt von Textil- und Papiermaschinen sowie der Biotechnologie.
Die Sachsen sind stolz auf ihre Erfinder. Aus Meißen kam das erste europäische Hartporzellan. Der Teebeutel, der Kaffee-Filter, das »Odol«-Mundwasser oder die erste moderne Zahncreme »Chlorodont« sind sächsischer Herkunft. Der Dresdner Ingenieur Fritz Pfleumer gilt mit seinem »singenden Papier« als Urvater der Tonbandtechnik. Die erste Kleinbild-Kamera mit perforiertem Film kam aus Dresden. Ebenso die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt. Die Kine Exakta der Firma Ihagee wurde 1936 auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt.
Zu den aktuellen Erfindungen gehört ein Verfahren zum Recycling sogenannter Seltener Erden aus alten Smartphones, erloschenen Neonröhren und aussortierten Computerbildschirmen, das im vergangenen Jahr von der Sächsischen Patentverwertungsagentur (SPVA) in Dresden an eine Freiberger Firma verkauft wurde. Die Metalle werden für viele Hightech-Produkte von Smartphones und Notebooks bis zu Elektromotoren gebraucht. Das Recyclingverfahren haben Wissenschaftler der Technischen Universität Bergakademie Freiberg zusammen mit Partnern in der Industrie entwickelt.
Die SPVA, die sich um die Vermarktung von Erfindungen und Patenten kümmert, konnte 2014 nach eigenen Angaben aus Schutzrechtsverkäufen, Lizenznahmen oder Optionsverträgen von 53 Erfindung Einnahmen von fast 460 000 Euro erzielen. Das Gründernetzwerk Dresden-Exists betreut jährlich etwa 70 Projekte von Wissenschaftlern aus Hochschulen und Forschungsinstituten der Region. Aus denen entstünden immer rund 20 Unternehmen, etwa jedes Vierte davon auf Grundlage von Patenten. Die TU Dresden sei mit 166 Patenten im vergangenen Jahr eine der Hochschulen in Deutschland mit den meisten Erfindungen gewesen. Ideen auf Basis neuer Technologie oder einzigartigem Know-How hätten zwar allgemein gute Chancen, hieß es. Das gelte aber nicht immer, schränkt Sprecherin Frauke Posselt ein. »Nicht bei allen Entwicklungen ist der potenzielle Markt groß genug.« dpa/nd
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