Keine Vertuschung, aber Einflussnahme

Polizist sagt vor Ausschuss zur Kölner Silvesternacht aus

  • Lesedauer: 2 Min.

Düsseldorf. Im »Untersuchungsausschuss Silvesternacht« des nordrhein-westfälischen Landtags hat ein Kölner Kriminalhauptkommissar von versuchter Einflussnahme berichtet - angeblich auf Wunsch des Innenministeriums. Dabei geht es um eine polizeiinterne sogenannte WE-Meldung über »wichtige Ereignisse«, in der auch von einer Vergewaltigung die Rede war.

Eine junge Frau habe nach der Silvesternacht in der Domstadt angezeigt, ihr seien inmitten eines aus rund 50 ausländischen Männern bestehenden Pulks Finger in den Körper eingeführt worden. Nach der Meldung habe am Neujahrstag ein Beamter der Leitstelle in der Kölner Kriminalwache angerufen, berichtete der Kommissar weiter. In barschem Ton habe der Anrufer gesagt: »Das sind doch keine Vergewaltigungen. Das streicht ihr. Storniert die WE-Meldung.« Als der Kommissar sich über den Ton und das Ansinnen beschwert habe, habe der Anrufer erwidert. »Ja, das sind Wünsche aus dem Ministerium. Ich gebe das jetzt auch nur so weiter.«

NRW-Polizeiinspekteur Bernd Heinen hatte im vergangenen Monat im Innenausschuss des Landtags ausgeschlossen, dass es am Neujahrstag ein Telefonat der Landesleitstelle mit dem Polizeipräsidium Köln gegeben habe. Der jetzige Zeuge sagte im Untersuchungsausschuss, den Namen des Anrufers habe er sich nicht notiert. Er sei dann auch weder bedrängt noch offiziell zu Korrekturen angewiesen worden. Für ihn sei eine solche Intervention in seiner bisherigen Laufbahn einmalig, sagte der 52-Jährige. Dennoch werte er den Anruf nicht als Vertuschungsversuch. »Da hat jemand den Begriff Vergewaltigung nicht erkannt.«

In der Silvesternacht hatten am Kölner Hauptbahnhof Gruppen junger Männer vor allem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum zahlreiche Frauen sexuell belästigt und bestohlen. Bei der Staatsanwaltschaft Köln gingen über tausend Anzeigen ein. Agenturen/nd

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