Digitaler Wechsel
Personalie: Jochen Arntz wird Chefredakteur der »Berliner Zeitung«.
In Unternehmensmitteilungen wie in Arbeitszeugnissen muss man das lesen, was zwischen den Zeilen gesagt werden soll. Wenn also die DuMont Mediengruppe, zu der u.a. der Berliner Verlag mit den beiden Blättern »Berliner Zeitung« und »Berliner Kurier« gehört, mitteilt, eben jener Verlag werde demnächst sein Domizil verlassen und einen Neubau beziehen, der »mit modernster technologischer Infrastruktur ausgerüstet« sei, und in der gleichen Mitteilung erst am Ende des Textes eher beiläufig erwähnt wird, dass die bisherige Chefredakteurin der »Berliner Zeitung«, Brigitte Fehrle, im Oktober aus dem Amt scheiden und »neue Aufgaben übernehmen« werde, dann wissen wir: Das ist alles ganz anders gemeint. Dies vor allem dann, wenn man weiter liest, dass DuMont seiner bisherigen Spitzenangestellten »schon jetzt für ihre gute Arbeit« dankt und man sich auf ihren Nachfolger Jochen Arntz freue, der »für hohe journalistische Qualität stehe«. Halten wir also fest: Die 61-jährige Fehrle, die ab 2009 stellvertretende Chefredakteurin und ab 2012 alleinige Chefin der Zeitung war, hat »gute Arbeit« geleistet, Jochen Arntz, der bisher die DuMont-Hauptstadtredaktion führte, garantiert dagegen »hohe journalistische Qualität«.
Was konkret von dem 51-Jährigen, der früher u.a. das Ressort »Seite 3« der »Süddeutschen Zeitung« leitete, erwartet wird, steht im ersten Drittel der Pressemitteilung: Den Umzug will DuMont »zur konsequenten Weiterentwicklung eines innovativen, digitalen Medienhauses« nutzen. Nebulös ist von einem »Projekt in den Redaktionen« die Rede, das dem Berliner Verlag ermöglichen soll, »künftig mit einer neuen, zukunftsweisenden Organisation konsequent auf die Anforderungen des digitalen Wandels reagieren zu können«. Im Klartext: Der Zug wechselt vom analogen auf das digitale Gleis. Das Printprodukt ist seit Jahren ein Minusgeschäft; die Auflage lag zuletzt nur noch knapp über 100 000, zu dem Verlust des Berliner Verlages von acht Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 trug die »Berliner Zeitung« einen Großteil bei.
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