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Zwischen den Helden
Ein schönes Jugendbuch für alle BFCler: »Reinhard Lauck. Einer von uns« von Ahne
Wie war das noch mal mit dem Bayern München von Ostberlin, dem DDR-Serienmeister der 80er Jahre, dem international völlig erfolglosen Lieblingsklub von Erich Mielke? Der BFC Dynamo ist ja gerade wieder im Kino, als »Stasi FC«, so finden den alle irgendwie interessant. Auch die stets DDR-Kritik-kritische »Junge Welt« meinte: »Prädikat sehenswert«. Heute ist der BFC die Nummer drei in Berlin, in der vierten Liga; Tennis Borussia, die Nummer vier, spielt in der fünften. Manchmal, ganz selten, sieht man in Ostberlin eine dieser Postboxen am Straßenrand, die im Wechsel nachts blau-weiß (Hertha) oder rot-weiß (Union) angepinselt werden, überraschend in Weinrot-Weiß (BFC) erscheinen. Der BFC lebt also doch irgendwie weiter – wie alle Menschen, die immer noch Fußball schauen, obwohl eigentlich alles dagegenspricht (Klub-WM, Saudi-Arabien, überhaupt die Fifa und die Gefahren des Alkoholismus).
Der Schriftsteller und BFC-Fan Ahne (vom linken Flügel, den gibt es entgegen dem politischen Image des Klubs wirklich) hat einen tollen BFC-Roman geschrieben. Er hat schon sehr viele lustige und intelligente Sachen gemacht (zum Beispiel im Radio die genialen »Zwiegespräche mit Gott«), doch dies ist eine Spitzenleistung, wie sie einem ehemaligen Spitzenreiter würdig ist. Sie ist benannt nach einem fast vergessenen Spieler, »Reinhard Lauck. Einer von uns«, und in der Reihe »Ikonen« erschienen, die von Frank Willmann bei Voland & Quist herausgegeben wird. Darin verknüpfen Autoren persönliche Erlebnisse und erfundene Storys mit einer sie prägenden Fußballfigur.
Mit Lauck, der 1974 beim einzigen Spiel und Sieg der DDR gegen die BRD dabei war und auch 1976 beim Olympiasieg, geht es nach dem Karriereende Anfang der 80er legendär steil nach unten. Er wird schließlich Kohlenschlepper und stirbt mit 51 Jahren als Alkoholiker. In seiner aktiven Zeit war er stets »mannschaftsdienlich« im Mittelfeld: »Es brauchte auch diejenigen, die zwischen den Helden standen, sie mit Pässen versorgten, das Gerüst bildeten. Lauck war so einer. Ohne ihn wäre alles zusammengebrochen. Der BFC, er wäre nur ein Trümmerhaufen gewesen. Sonnenklar!«
Lauck ist in diesem Roman reine Projektionsfigur. Denn eigentlich handelt es sich dabei um ein extrem charmantes Jugendbuch und noch eigentlicher um eine Novelle und nicht um einen Roman. Umso besser, kann man viel schneller lesen!
Handlung: In Berlin-Schöneweide tragen sich zwei gegensätzliche Teenager, der eine tapfer, der andere ängstlich, mit dem Gedanken, durch die Kanalisation nach Westberlin zu fliehen. Was sie aber wieder verwerfen, weil sie dann nicht mehr die Spiele des BFC Dynamo mit Reinhard Lauck sehen könnten. Und dann wären sie Verräter am Verein, so wie auch Lauck einer war, der mit Union den FDGB-Pokal gewonnen hatte und dann zum Lokalrivalen ging. Ja, in der DDR war eben fast alles möglich, auch wenn heute das Gegenteil behauptet wird. Und der BFC war »die beste Mannschaft des Universums«.
Ahne: Reinhard Lauck. Einer von uns. Voland & Quist, 94 S., br., 12 €.
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