Koalition über Sexualstrafrecht einig
Verschärfte Regelungen für Taten aus der Gruppe heraus
Berlin. Am Freitag teilte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Johannes Fechner, mit, die Koalition habe sich im Streit um das Sexualstrafrecht geeinigt. Die nun gefundene Regelung für sexuelle Übergriffe aus Gruppen heraus sehe vor, dass sich auch strafbar mache, wer die Taten ermögliche oder befördere. Dies könne etwa geschehen durch Anfeuern oder dadurch, dass Beteiligte eine Mauer um die eigentlichen Täter bilden. Mit dieser Verschärfung reagiert die Koalition auf die Übergriffe auf Hunderte Frauen in der Kölner Silvesternacht. Verständigt hatten sich Union und SPD bereits darüber, dass Grapschen künftig als sexuelle Belästigung bestraft wird. Verschärft wird aber vor allem der Tatbestand der Vergewaltigung. Künftig gilt »Nein heißt nein«. Als Vergewaltigung kann dann jeder Geschlechtsverkehr verurteilt werden, der gegen den erkennbaren Willen des Opfers erzwungen wird. Bisher ist Gegenwehr, Gewalt oder die Androhung von Gewalt Voraussetzung für eine Bestrafung des Täters.
Der Gesetzentwurf soll in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause Anfang Juli verabschiedet werden. Wie die Verschärfungen zum Schutz der sexuellen Selbstbestimmung mit den Ausweisungsgründen für Ausländer in Übereinstimmung gebracht werden, blieb am Freitag offen. Im Ausweisungsrecht ist bislang festgelegt, dass Vergewaltigung als Voraussetzung für die Ausweisung eines Ausländers mit Gewalt, Drohung, Gefahr für Leib und Leben oder List einhergehen muss. Die Union setzt sich für eine Anpassung an das künftige Strafrecht für Vergewaltigungen ein. Fechner sagte, dafür sei auch die SPD-Fraktion offen. Die Einigung wurde von der Frauen Union in der CDU und der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen bestätigt. Die beiden Vereinigungen sprachen von einem Erfolg der Frauen in der Koalition, auf deren Initiative die Verschärfung zurückgehe. epd/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.