Tataren, Touristen und Bauleute
Die größte Halbinsel des Schwarzen Meeres verzeichnet eine wechselvolle Geschichte, als ihre Namensgeber werden die Tataren vermutet. Deren Nachfahren wurden während des Zweiten Weltkrieges von Sowjetführer Josef Stalin der Kollaboration mit den deutschen Faschisten beschuldigt und in weit entfernte Teile der Sowjetunion deportiert.
Zum 72. Jahrestag der Vertreibung, der mit Gebeten und Gedenkveranstaltungen gedacht wurde, wurde im Mai an der Eisenbahnstation »Siren« (Flieder) im Rayon Bachtschyssaraj der erste Abschnitt eines Gedenkkomplexes zur Deportation von 1944 eingeweiht. Dazu gehört auch der Nachbau eines Viehwaggons, in dem die Menschen nach Zentralasien deportiert wurden. Mullah Refat Sedljajew erklärte, er sei Wladimir Putin dankbar, dass er den Vorwurf des Verrats vom Volk der Krimtataren genommen habe. Heute könne er mit Stolz sagen, dass er Krimtatare sei.
Den Rückgang von Touristen aus der Ukraine konnte die Halbinsel nach der Angliederung an Russland mit Gästen ausgleichen, die von dort kommen. 2015 waren 4,2 Millionen Touristen auf der Halbinsel. Dieses Jahr sollen es 4,9 Millionen werden. Zu Sowjetzeiten verbrachten auf der Krim bis zu zwölf Millionen Menschen im Jahr ihren Urlaub. Ähnlich hohe Zahlen hofft die örtliche Verwaltung bald wieder zu erreichen.
Auch Bauleute sind gefragt. Als Ende 2015 Extremisten der krimtatarischen Medschlis, deren Führer sich in Kiew befinden, die Stromversorgung der Krim unterbrachen, ließ die russische Regierung eilig Unterseekabel für Stromlieferungen vom russischen Festland verlegen. Seit dem 12. Mai 2016 sind alle vier Kabel in Betrieb. Inklusive eigener Stromerzeugung verfügt die Krim jetzt über 1270 Megawatt Strom, die den Bedarf decken. Im Herbst sollen zusätzlich zwei Gaskraftwerke in Betrieb genommen werden.
Eine weitere Großbaustelle ist die 19 Kilometer lange Auto- und Eisenbahnbrücke vom russischen Festland über die Meerenge von Kertsch. Hier werden Pfähle in den Meeresgrund gerammt. Die Brücke soll im Dezember 2018 in Betrieb genommen werden. hey
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