Eigentore für die Demokraten
Klaus Joachim Herrmann über die aufgedeckte Benachteiligung von Sanders
Ein Eigentor besonderer Güte leistete sich im US-Wahlkampf das Establishment der Demokraten gegen den Linksausleger Sanders. Darüber per E-Mail zu beraten, ob in religiösen Hochburgen zu Nutz und Frommen der Konkurrentin seine jüdische Religionszugehörigkeit hinterfragt und er als Atheist denunziert werden könne, verrät schon Niedertracht.
Statt nun reinen Tisch zu machen, verdrückt sich Parteichefin Wasserman Schultz mit der Ankündigung eines Rücktritts und verschwommener Sichtbarkeit in die zweite Reihe. Die Verantwortung für die eigene unappetitliche Verfehlung wird gewohnheitsmäßig Moskau zugeschoben. Dessen Hacker sollen im Regierungsauftrag die Beweise zugunsten Trumps an die Öffentlichkeit gebracht haben. Ein unwürdiges Manöver, nicht den Verursacher, sondern jenen per Unterstellung für den Skandal verantwortlich machen zu wollen, der ihn angeblich aufdeckte. Schäbig auch, wenn sich die Täter hinter dem von ihnen selbst gern gepflegten Schreckbild Putin verstecken wollen.
Wer aber schon innerparteilich gegen den eigenen Mann und außenpolitisch derart dreckig und foul spielt, lässt nach einem Sieg kaum Sauberkeit und Redlichkeit erwarten. Gegner Trump wird diese Vorlagen der Demokraten zu danken wissen - er legt schon jetzt zählbar zu.
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