Linke fordert Deckel für Dispozinsen
Karawanskij: Begrenzung auf maximal fünf Prozentpunkte über dem Leitzinssatz der EZB gefordert / Kritik an »unsäglicher Abzocke«
Berlin. Die Linkspartei fordert angesichts der Profitmacherei von Banken mit Disposzinsen eine Deckelung und Vereinheitlichung der Überziehungszinssätze. Man wolle »endlich die unsägliche Dispoabzocke beenden«, sagte die Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij mit Blick auf Zahlen der Zeitung »Finanztest«, laut denen Dispozinsen von bis zu 13,75 Prozent verlangt werden. »Seit Jahren melken viele Banken ihre Kundinnen und Kunden bei Kontoüberziehungen. Dispo- und Überziehungskredite sind dabei eine willkommene Einnahmequelle für die Kreditinstitute«, so Karawanskij.
Nach Berechnung der Stiftung Warentest würden Banken mit jedem Prozentpunkt mehr bei den Dispozinsen jährlich rund 390 Millionen Euro verdienen. Dies sei derzeit »umso unverständlicher, als dass Banken und Sparkassen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld an historisch billige Kredite von der Europäischen Zentralbank kommen, selbst aber die Senkung der Leitzinsen nicht oder höchstens teilweise an die Verbraucher weitergeben«. Dies sei »unfair und eine Zumutung«. Zudem habe die Intransparenz bei den Dispozinsen »System: Die Kosten der Finanzkrise werden an die Kundinnen und Kunden weitergegeben«.
Die Linkenpolitikerin fordert nun eine Deckelung der Zinssätze für eingeräumte Dispositionskredite und geduldete Überziehungskredite auf maximal fünf Prozentpunkte über dem Leitzinssatz der EZB. »Durch die Orientierung am Leitzinssatz wird sich alleinig und eindeutig an der allgemeinen Zinsentwicklung orientiert.« Zudem solle es eine Kündigungsfrist des Dispo- und Überziehungskredits von mindestens vier Wochen geben. Auch die Finanzberatung durch Verbraucherzentralen sowie die Schuldnerberatungsstellen der Länder sollten gestärkt werden.
Karawanskij verwies auf entsprechende Anträge ihrer Fraktion und forderte die Regierung auf, zu handeln. »SPD und sogar die CDU/CSU mucken immer mal wieder kurz auf und verkünden, die Dispozinsen nun deckeln zu wollen, doch ein ernsthafter politischer Wille ist nicht ersichtlich«, kritisierte sie. nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.