Seehofers Angriff auf ARD und ZDF ist »unseriös«
Vorstoß des CSU-Chefs zur Zusammenlegung der Öffentlich-Rechtlichen stößt auf breite Ablehnung
Berlin. CSU-Chef Horst Seehofer ist mit seiner Forderung nach einer Zusammenlegung von ARD und ZDF auf deutliche Kritik gestoßen. »Ich halte das nicht für sinnvoll«, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Josef Jung der Oldenburger »Nordwest-Zeitung« (Montagsausgabe). »Zwei öffentlich-rechtliche Sender sind gerade unter dem Aspekt der politischen Berichterstattung sinnvoll«, erklärte Jung, der seit 1999 im ZDF-Fernsehrat sitzt.
Der medienpolitische Sprecher der LINKEN im Bundestag, Harald Petzold, sprach via Twitter von einer »albernen Idee«, die man nicht ernsthaft kommentiere müsse. Wolle die CSU freiwillig auf den Bayerischen Rundfunk verzichten?, fragte Petzold auf die oftmals unterstellte Nähe des öffentlich-rechtlichen Senders zu den Christsozialen spöttisch.
Auch die Grünen kritisierten Seehofers Vorstoß. »Ohne Sinn und Verstand posaunt Herr Seehofer populistische Töne ins Land«, sagte die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, der »Passauer Neuen Presse«. Schließlich habe das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass die Konkurrenz zwischen ARD und ZDF die Qualität steigere und für eine vielfältige Berichterstattung sorge.
Mit seinem Ruf nach einer Zusammenlegung der Sender buhle Seehofer um die Wähler der Rechtspopulisten und unterscheide sich nicht von der AfD, die viel zu einfache Antworten gebe und keine differenzierte politische Berichterstattung wünsche, fügte Rößner hinzu. Natürlich gebe es berechtigte Kritik an den beiden Sendern. Eine engere Zusammenarbeit der beiden Anstalten und Synergien seien sinnvoll. Aber Seehofers Vorstoß sei »unseriös«, weil er die weitreichenden Folgen einer Fusion gar nicht in den Blick nehme.
Seehofer hatte am Wochenende die Zusammenlegung von ARD und ZDF gefordert. »Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte«, sagte Bayerns Ministerpräsident der »Bild am Sonntag«. Im neuen Grundsatzprogramm, dass beim Parteitag im November verabschiedet werden soll, heißt es nach Angaben der Zeitung: »Wir streben langfristig die Beseitigung von Doppelstrukturen und die Zusammenlegung von ARD und ZDF unter einem Dach an.« Seehofer hatte in der Vergangenheit mehrfach scharfe Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk geübt. epd/nd
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