Migrationskrise: Rüffel für Reiche

Amnesty fordert gerechtere Verteilung der Millionen Flüchtlinge auf alle Länder

  • Lesedauer: 2 Min.

London. Amnesty International hat die reichen Länder aufgefordert, deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen. 21 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, wie aus einem am Dienstag vorgelegten Bericht der Menschenrechtsorganisation zur Flüchtlingskrise hervorgeht. 56 Prozent dieser Flüchtlinge wurden demnach von nur zehn Ländern aufgenommen, die direkt an Konfliktgebiete angrenzen und zusammen für gerade 2,5 Prozent der Weltwirtschaftsleistung stehen.

Mit 2,7 Millionen Flüchtlingen hat Jordanien dem Bericht zufolge die meisten Menschen aufgenommen, gefolgt von der Türkei (mehr als 2,5 Millionen), Pakistan (1,6 Millionen) und Libanon (mehr als 1,5 Millionen). Weitere Aufnahmeländer, die Hunderttausende Flüchtlinge beherbergen, sind demnach Iran, Äthiopien, Kenia, Uganda, Demokratische Republik Kongo und Tschad.

Diese zehn Länder müssten wegen ihrer Nähe zu Konfliktgebieten »viel zu viel tun«, kritisierte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. Auch für die Flüchtlinge, die vor Krieg und Unterdrückung in Ländern wie Syrien, Afghanistan, Irak und Südsudan geflohen seien, sei die Situation »unhaltbar«. In den Aufnahmeländern litten sie oft wieder unter »unerträglichem Leid und Elend«.

Statt sich vor der Verantwortung zu drücken, müssten die reichen Ländern mehr tun, forderte Shetty. Finanzielle Hilfen für die Aufnahmeländer seien allerdings nicht genug. Amnesty fordert stattdessen eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge auf alle Länder weltweit, abhängig von Kriterien wie Größe, Wohlstand und Arbeitslosenzahl.

In den reichsten Ländern fehle es dafür aber an Kooperation und politischem Willen. Nur rund 30 Länder hätten ein Programm für Aufnahme von Flüchtlingen. Würde sich diese Zahl auf 60 oder 90 Länder erhöhen, würde das die Flüchtlingskrise spürbar lindern, heißt es in dem Bericht.

Kritik übt die Organisation konkret an Großbritannien. Das Königreich habe seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 weniger als 8000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Im viel kleineren und wirtschaftlich schwächeren Jordanien hätten dagegen mehr als 655 000 Syrer Zuflucht gefunden.

Als positives Beispiel nennt Amnesty die Flüchtlingspolitik in Kanada. Das Land habe seit Ende vorigen Jahres 30 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Bis Ende August seien 18 000 weitere Asylanträge in Bearbeitung gewesen, so in Libanon, Jordanien und Türkei. Agenturen/nd

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