Zurückgepfiffen
Zornige Polinnen stoppen striktes Abtreibungsverbot der Rechtskonservativen
Warschau. Hunderttausend zornige polnische Frauen haben mit ihren landesweiten Protesten auf Märschen und Kundgebungen die radikalen Abtreibungsgegner zurückpfiffen. Deutlicher noch als die Zustimmung durch eine Mehrheit in der ersten war die Ablehnung des Gesetzes zur weiteren Verschärfung des Abtreibungsrechtes in der zweiten Lesung im polnischen Sejm am Donnerstag. Die mit absoluter Mehrheit regierende nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Jaroslaw Kaczynski musste das Gesetz durchfallen lassen. Es dürfte in dieser Form nicht wieder auftauchen.
Nachdem es in den vergangenen Tagen massive Proteste auch in den europäischen Städten Berlin, Brüssel, London, Paris und Bukarest gegeben hatte, deutete sich bereits am Mittwoch ein Kurswechsel in der polnischen Regierung an. So empfahl der parlamentarische Justizausschuss die Ablehnung der Gesetzesinitiative durch das Parlament. Die konservative Regierungspartei habe »Angst vor den Frauen bekommen, die auf die Straße gegangen sind«, sagte die ehemalige liberale Ministerpräsidentin Ewa Kopacz von der Bürgerplattform (PO), die in dem Justizausschuss sitzt und selbst Ärztin ist.
In dem 38 Millionen Einwohner zählenden Land werden jährlich weniger als 2000 legale Abtreibungen vorgenommen. Frauenrechtsgruppen gehen aber davon aus, dass zusätzlich 100 000 bis 150 000 Frauen illegal oder im Ausland einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Die einflussreiche katholische Kirche des Landes unterstützte das umfassende Abtreibungsverbot, allerdings erklärten die polnischen Bischöfe am Mittwoch, sie lehnten die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Gefängnisstrafe für Frauen ab. Ärzten und Patientinnen sollten bis zu fünf Jahre Haft angedroht werden. AFP/nd Seite 7
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.