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Damaskus: Keine Autonomie für Terroristen

UN-Vorschlag für Ostteil Aleppos abgelehnt / Medizinversorgung in der syrischen Stadt paralysiert

  • Lesedauer: 2 Min.

Aleppo. Die heftigsten Angriffe der syrischen Regierungstruppen auf Aleppo seit Wochen haben viele Menschen getötet und zu einem Kollaps der medizinischen Versorgung in den Rebellengebieten geführt. Alle größeren Krankenhäuser im Ostteil der umkämpften nordsyrischen Stadt seien zwischenzeitlich außer Betrieb gewesen, berichtete die Union of Syrian Medical Organizations. Zudem starben am Wochenende mehr als 40 Zivilisten durch Gewalt von beiden Seiten. Unter den Toten waren auch mindestens elf Kinder.

Die syrische Regierung hat derweil einem Vorschlag der Vereinten Nationen eine Absage erteilt, im Rahmen einer Waffenstillstandsvereinbarung dem Ostteil Aleppos Autonomie zu gewähren. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura habe bei seinem Besuch in Damaskus eine solche »Autonomieverwaltung« angesprochen, sagte der syrische Außenminister Walid Muallem am Sonntag. »Wir sagten ihm, dass wir das vollständig ablehnen.«

Muallem sagte, die Regierung bestehe darauf, dass »Terroristen den Osten Aleppos verlassen«. Damaskus verwendet den Begriff »Terroristen« für Aufständische und Dschihadisten. De Mistura hatte kürzlich angeregt, dschihadistische Kampfeinheiten sollten Ost-Aleppo verlassen, die syrische Regierung könne dann eine Autonomieverwaltung der Opposition über diesen Teil der Stadt akzeptieren.

»Es ist nicht möglich, dass 275 000 unserer Bürger von 5000, 6000, 7000 Bewaffneten als Geiseln gehalten werden«, erklärte Muallem. Seit Mitte Juli sind die Rebellen in Ost-Aleppo eingekesselt. Die syrischen Regierungstruppen versuchen, oftmals mit russischer Unterstützung, den Ostteil der Stadt zu erobern.

Bei Angriffen der Aufständischen auf den Westteil Aleppos wurden am Sonntag nach Angaben der staatlichen Medien im Stadtteil Furkan zehn Menschen getötet, darunter acht Kinder. Am Freitag wurde eines der letzten Krankenhäuser im Osten Aleppos zerstört. Seit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 wurden mehr als 300 000 Menschen getötet.

Die US-Regierung verurteilte »die schrecklichen Angriffe gegen medizinische Einrichtungen und humanitäre Helfer« in Syrien. Es gebe »keinerlei Entschuldigungen für diese abscheulichen Taten«, erklärte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice. »Das syrische Regime und seine Verbündeten, vor allem Russland, sind verantwortlich für die aktuellen und langfristigen Konsequenzen dieser Taten.«

Auch die UNO sei »entsetzt« über die jüngste Gewalteskalation in Syrien, erklärten der UN-Hilfskoordinator in Syrien, Ali al-Saatari, und der Regionalkoordinator Kevin Kennedy.

Russland beteiligt sich nach eigenen Angaben nicht an den aktuellen Angriffen auf Aleppo. Die syrische Regierung will Aleppo wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Der Ostteil der Stadt wird seit Mitte des Jahres 2012 von Aufständischen kontrolliert. Agenturen/nd Seite 8

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